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Für die meisten der dreißig Teilnehmer war es schon einige Jahre oder auch Jahrzehnte her, dass ihnen chemische Formeln um die Ohren gehauen wurden. Und nun war es wieder soweit. Das Thema des diesjährigen Gewässerwarteseminars lautete „Praktische Einführung in die Wasserchemie“. Der Schwerpunkt lag dabei sehr deutlich auf der Durchführung unterschiedlichster Messungen - aber ganz ohne Theorie und Formeln ging es eben doch nicht. Zum Glück ist das Ganze letztendlich nicht so kompliziert, und am Ende hatten alle Gewässerwarte das nötige Wissen um die wichtigsten Messungen durchzuführen und die Ergebnisse richtig zu interpretieren.

Da Niebüll nun nicht unbedingt in der Mitte Schleswig-Holsteins liegt und die Wege dorthin weit sein können, waren die Referenten des LSFV (Mattias Hempel, Rüdiger Neukamm und Martin Purps) und ein gutes Drittel der Teilnehmer bereits am Freitagabend angereist. Die Jugendherberge erwies sich als hervorragende Tagungsstätte mit guter Ausstattung. Entsprechend schnell konnte der Aufbau erledigt werden. Nach dem Abendessen ging es nahtlos mit dem unterhaltsamen Teil des Abends weiter. Die laue nordfriesische Sommernacht lud dazu ein noch lange zusammen zu sitzen und ausgiebig über Fische, Fänge und Gewässer zu diskutiert.

Am nächsten Morgen begann das Seminar mit der Bildung von kleinen Arbeitsgruppen und der Abfrage, welche Ausrüstung und welche Vorkenntnisse bezüglich der wasserchemischen Untersuchung bei den Teilnehmern vorhanden waren. Das gesamte Spektrum, vom völligen Neueinsteiger ohne Geräte und Analysenkoffer bis hin zum sehr versierten und gut ausgerüsteten Messspezialisten, war vertreten. Insgesamt war die Bandbreite an vorhandener Ausrüstung groß. Das ermöglichte den Teilnehmern sich mit verschiedenen Messmethoden vertraut zu machen und herauszufinden, welche für ihre Anforderungen am geeignetsten sind.

Abbildung 1: Messung der „Standardparameter“ an einem Niebüller Regenrückhaltebecken

Der erste theoretische Block befasste sich dann mit der richtigen Probennahmestrategie, den Regeln, die beim Ziehen einer Wasserprobe unbedingt zu beachten sind und mit den Standardparametern, die möglichst oft (und insbesondere vor Besatzmaßnahmen!) in allen Gewässertypen bestimmt werden sollten. Dabei handelt es sich um die Temperatur, den Sauerstoffgehalt, den pH-Wert und die Leitfähigkeit. In der Regel werden diese Werte schnell und einfach mit digitalen Messgeräten erfasst, an die man verschiedene Sonden anschließen kann. Zu beachten ist dabei jedoch, dass diese Sonden regelmäßig kalibriert werden müssen.

Nach Abschluss der theoretischen Erläuterung wurden umgehend drei nahe der Jugendherberge gelegene stehende Gewässer aufgesucht, um die entsprechenden Messungen vor Ort durchzuführen und Wasserproben für die spätere Analyse zu nehmen (Abbildung 1).

Insbesondere der Sauerstoffgehalt und der pH-Wert können über den Tagesverlauf erheblich schwanken. Daher kann es sinnvoll oder sogar notwendig sein, diese Werte mehrmals am Tag zu bestimmen. Zur Demonstration dieses Sachverhaltes wurden an zwei der Gewässer spezielle Messboxen platziert, die über einen Zeitraum von 24 h regelmäßig automatisch diese Messungen durchführen und die Ergebnisse speichern. Was dabei Eindrucksvolles herausgekommen ist, zeigt die Abbildung 2. Wie aus dem Diagramm hervorgeht, sank der Sauerstoffgehalt in dem Privatteich (blaue Line) in Laufe der Nacht von erfreulichen 8 mg/l auf den für Fische schon überaus bedenklichen und langfristig oft tödlichen Wert von nur noch 1,3 mg/l. Auch die festgestellten pH-Wert-Schwankungen waren beträchtlich.

Abbildung 2: Ergebnisse der 24-Stunden-Messung des Sauerstoffgehaltes in einem Regenrückhaltebecken (rote Linie) und im Privatteich (blaue Linie).

Die zweite Lerneinheit befasste sich mit den Stickstoffverbindungen im Wasser. Ammonium wird zu Nitrit, Nitrit wird zu Nitrat. Bei der Umwandlung wird jeweils Sauerstoff verbraucht, der unter Umständen dann den Fischen zum Atmen fehlt. Doch nicht nur das. Bei hohem pH-Wert wird aus Ammonium das für Fische hoch giftige Ammoniak. Und Nitrit wirkt ebenfalls schon in sehr geringen Dosen toxisch, allerdings auch wieder in Abhängigkeit vom pH-Wert. Nitrat hingegen ist in den üblichen Konzentrationen völlig ungefährlich, kann aber im Zusammenspiel mit Phosphat zu starkem Algenwachstum führen. Anfangs klingt das ziemlich kompliziert und unübersichtlich. Ist es aber eigentlich gar nicht. Wenn man sich ein wenig mit der Sache beschäftigt, kommt das Verständnis fast von alleine. Nachdem die Materie zunächst wieder theoretisch erläutert worden war, führten die Teilnehmer die entsprechenden Messungen an ihren Geräten durch und erzielten überwiegend sehr gute Ergebnisse, die sie auch richtig interpretieren konnten. Auch unter Einbeziehung des pH-Wertes, der zu diesem Zeitpunkt allerdings nur noch unter „negativer dekadischer Logarithmus der Wasserstoffionen-Aktivität“ firmierte.

An zweiten Seminartag stand nur noch der Vormittag für wasserchemische Messungen zur Verfügung. Diesmal stand die Bestimmung des Phosphatgehaltes im Vordergrund. Phosphat an sich ist wiederum für Fische ungiftig, als wichtiger Pflanzennährstoff spielt er aber eine ganz erhebliche Rolle bei der Eutrophierung der Gewässer. Gerade in stehenden Gewässern können hohe Phosphatgehalte zu erheblichen Problemen im Zusammenhang mit dem Pflanzenwachstum führen. Eine Sanierung von phosphatbelasteten Seen ist im Regelfall sehr aufwendig und kostspielig, weil das Phosphat nicht nur im Wasser enthalten ist, sondern auch über sehr lange Zeiträume im Sediment gespeichert werden kann. Bei den Messungen wurde von einigen Arbeitsgruppen nicht nur das im Wasser frei verfügbare Phosphat sondern auch das organisch gebundene Phosphat bestimmt. Zu diesem Zweck wurden Thermoreaktoren eingesetzt, in denen die organische Substanz unter Einwirkung von Säure und Hitze aufgeschlossen wird. Auch das erwies sich nicht als Zauberei sondern war unterm Strich nicht viel anders als Eier im Eierkocher kochen.

Abbildung 3: Teilnehmer des Gewässerwarteseminars bestimmen den Phosphatgehalt einer Wasserprobe mit dem Photometer des Lübecker Kreisverbandes der Sportfischer.

Für die, die noch nicht genug hatten, wurden als weitere Parameter noch der Eisengehalt , der biologische Sauerstoffbedarf, der chemische Sauerstoffbedarf, das Säurebindungsvermögen und die Wasserhärte durchgenommen. Soweit Testsätze vorhanden waren, wurden auch hierzu noch Messungen durchgeführt. Nach dem Mittagessen wurden schließlich alle Ergebnisse zusammengetragen, verglichen und diskutiert. Hierbei wurde ein weiteres Mal offenkundig, wieviel an praktischem Wissen im Laufe des Wochenendes vermittelt werden konnte. Sowohl Teilnehmer als auch Referenten zeigten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Seminars. Insbesondere die sehr freundschaftliche Atmosphäre wurde immer wieder hervorgehoben.

Im kommenden Jahr soll das Gewässerwarteseminar voraussichtlich wieder am Westensee stattfinden. Das Thema lautet „Methoden der Fischbestandserhebung“. Inhalt des Seminars wird dann sein, die verschiedenen Fangmethoden für Fische kennenzulernen und auszuprobieren, und zu lernen, wie man auch große Fänge fachgemäß schnell und schonend auswerten kann.

Herzlich willkommen!