Ozean der Zukunft und Baltic Sea RAC |
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| Geschrieben von Robert Vollborn | |
| 14.12.2008 | |
Anglerinteressen im "Ozean der Zukunft" und "Baltic Sea RAC"Die Interessen unserer Mitglieder vertreten die ehren- und hauptamtlich Tätigen vor allem auf Landesebene, aber bei Bedarf auch darüber hinaus. So können etwa Fragen des Tierschutzes auf der Grundlage des einschlägigen Bundesgesetzes nicht in Schleswig-Holstein anders behandelt werden als in Niedersachsen, Bayern oder Thüringen. Dafür ist dann zwar auch und vor allem unser leistungsfähiger Bundesverband, der Verband Deutscher Sportfischer e.V., zuständig. Aber selbst spezifische Belange zu klären kann vereinzelt auch auf direktem Wege geschehen, ohne andere damit belasten zu müssen. Wiederum andere Fragen müssen darüber hinaus sogar auf europäischer Ebene geklärt werden. Auch hier haben die Mitglieder des LSFV über den VDSF eine eigene Vertretung mit der European Anglers Alliance (EAA), doch selbst Angelegenheiten mit EU-Bezug kann unser Landesverband eigenständig klären. Und mitunter greifen sogar die höhergestellten Verbände auf unseren LSFV zurück, um vorhandenen Sachverstand zu nutzen. So zögerte der LSFV nicht, die Interessen der Anglerschaft auch im Baltic Sea Regional Advisory Council (BS RAC) der EU wahrzunehmen. Dieser Fischereibeirat mit Sitz in Kopenhagen soll die Europäische Kommission in allen Fragen zur Ostseefischerei und damit in Zusammenhang stehenden ökologischen Themen, insbesondere der Bestandsbewirtschaftung in bestimmten Fischereizonen und Meeres gebieten, beraten. Eine derartige Beratung ist durchaus erforderlich, hat sich die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) der EU in der Vergangenheit doch nicht gerade durch schnelle Verfahren oder vernünftige Entscheidungen hervorgetan. So hätte das Projekt "Stopp Discards" bereits vor Jahren eingerichtet werden können und müssen. Statt dessen hat die EU aber noch 2005 das Mindestmaß beim Dorsch von 35 auf 38 Zentimeter angehoben. Die Rückwürfe untermaßiger Fische, die den Fangvorgang nicht überleben und damit sinnlos ins Meer zurückgeworfen werden müssen, stieg damit ebenso wie unter anderem der Kraftstoffverbrauch der Fischer, die mehr Aufwand treiben mußten, um ihre Quote an fangfähigen Fischen zu erreichen. Beides wirkt sich negativ auf die Umwelt aus – und daß, obwohl auch die im Bestand gefährdeten Dorsche ab 35 Zentimeter früher gut vermarktungsfähig waren. Früher war Brüssel nicht nur räumlich weit weg. Jetzt aber erreichen unsere Vorschläge direkt die Kommission. Darin liegt der Vorteil eines Engagements in dem Gremium. Für die Angler setzen sich im Exekutivkomitee über die EAA VDSF-Präsident Peter Mohnert (Stellvertreter: LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn) sowie über den VDSF dessen Vizepräsident Dr. Mathias von Lukowicz ein. Ein weiterer Einsatz über das reguläre Verbandswesen hinaus findet an der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) und den dortigen Exellenzcluster "Ozean der Zukunft" statt. Die Ozeane bedecken mehr als zwei Drittel unseres Planeten, sind bis heute aber weniger erforscht als die Oberfläche des Mondes. Geändert werden soll dies mit einem in Deutschland einmaligen Forschungsansatz: Meeres- , Geo- und Wirtschaftswissenschaftler sowie Mediziner, Mathematiker, Juristen und Gesellschaftswissenschaftler bündeln ihre Expertise und untersuchen und forschen gemeinsam. Der Exzellenzcluster bezieht damit Disziplinen ein, die bisher nicht in der Meeresforschung aktiv waren, mit dem Ziel, die Chancen und Risiken gemeinsam zu bewerten und ein weltweit nachhaltiges Management der Ozeane und mariner Ressourcen zu entwickeln. Gebildet hat sich daher auch ein Arbeitskreis zur Erarbeitung von Modellen zur Reduzierung negativer Auswirkungen der Fischerei auf die Fischbestände. Beteiligt sind Dr. Avan Antia ("Ozean der Zukunft"), Prof. Dr. Rainer Froese (CAU, Leibniz-Institut für Meereswissenschaften – Geomar), Prof. Dr. Till Requate und Prof. Dr. Martin Quaas (CAU, Institut für Volkswirtschaftslehre), Prof. Dr. Alexander Proelß (CAU, Walther-Schücking-Institut für internationales Recht), Dr. Bertram Zitscher (Wirtschaftsrat der CDU e.V.). und von fischereilicher Seite der Deutsche Fischereiverband mit Dr. Peter Breckling und der LSFV mit Geschäftsführer Robert Vollborn LL.M.. Ziel des Arbeitskreises ist die Vermeidung falscher Forschungsansätze durch Einbeziehung anderer Sichtweisen, insbesondere auch der fischereilichen Praxis. Ohne den sprichwörtlichen "Blick über den Tellerrand hinaus" bestünde die Gefahr, dass jahrelang Forschungen betrieben werden, die aus einem anderen Blickwinkel vollkommen unbedeutend, irrelevant oder tatsächlich nicht umsetzbar sein könnten. Etwa der Gedanke, die Fischerei in der westlichen Ostsee auf Dorsch für drei Jahre auszusetzen, um anschließend bei gesunder Bestandsstärke als optimal angesehene Fische mit Längen um die 70 bis 80 Zentimeter fangen zu können, wurde unter anderem mit der Erkenntnis, dass für derartige Größen überhaupt kein Markt besteht, korrigiert. Nicht beachtet wurden bei diesem Modell unter anderem auch, dass an den Fischereibetrieben weitere Marktstrukturen hängen, etwa die Genossenschaft, Speditionen, Zwischen- oder Einzelhändler, die von einem dreijährigen Fangstopp ebenfalls betroffen wären. Nicht zuletzt wurde übersehen, dass nach drei Jahren die Fischereibetriebe möglicherweise auch erneut beginnen müssten, sich einen Kundenstamm aufzubauen, weil dieser sich in der Zwischenzeit anderen Lieferanten zugewandt haben wird. Die Verknüpfung zwischen verschiedenen Forschungsrichtungen, der rechtzeitige Erfahrungs-, Wissens- und Meinungsaustausch ist daher von großem Nutzen. Es ist gut, dass der LSFV hieran beteiligt ist.
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