Die LSFV-Geschäftsstelle ist vom 22. Dezember bis 2. Januar geschlossen!

„So viele Zander gab es hier noch nie!“ meint Hans Brauer, Berufsfischer in der 5. Generation aus Rade bei Rendsburg. Er selbst befischt den Nord-Ostsee-Kanal sowie den Audorfer See, den Schirnauer See und den Borgstedter See seit mehr als 40 Jahren. Und seine Beobachtung stimmt mit den Ergebnissen der fischbestandskundlichen Untersuchungen überein. Bereits in den letzten beiden Jahren hatte sich der Zander stark vermehrt. Aber dieses Jahr verlief die Reproduktion so außerordentlich gut, dass der Bestand an jungen Zandern eine Rekordgröße angenommen hat. Seit 2007 werden im Rahmen des „EFF-Pilotprojektes zur Förderung des Aalbestandes im Nord-Ostsee-Kanal“ an jährlich fünf Tagen auf der Pachtstrecke von Hans Brauer Schleppnetzbefischungen unter genormten Bedingungen vorgenommen. Dabei werden neben den gefangenen Aalen auch alle anderen Fischarten detailliert erfasst. Diese Daten belegen eindrucksvoll die positive Bestandsentwicklung. Im Zeitraum von 2007 bis 2009 wurden bei den Schleppnetzbefischungen jährlich zwischen 550 und 1.300 Zander gefangen. 2011 waren es 24.183! Damit war der Zander in den Fängen die häufigste Art, noch vor Schwarzmundgrundel und Brasse. Bei den gefangenen Zandern handelte es sich ganz überwiegend um junge Exemplare, die erst im Frühjahr 2011 geschlüpft sind.

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Bild 1.: Zanderfang aus dem NOK 2011, alle Fische wurden lebend zurückgesetzt.

Obwohl der Jahrgang so außergewöhnlich stark war, gab es offensichtlich keine Nahrungsengpässe. Anfang September hatten die jungen Zander bereits eine Durchschnittsgröße von 14,5 cm. Diese Wachstumsleistung ist für Zander aus dem Nord-Ostsee-Kanal durchaus gut. Auch die größeren Zander wachsen in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut ab. Das Verhältnis von Gewicht zu Körperlänge ist deutlich gestiegen. Die Ursache für das gute Wachstum und für die hohe Vermehrungsrate liegt daher sehr wahrscheinlich an einer gegenüber früheren Jahren insgesamt deutlich verbesserten Nahrungsverfügbarkeit. Und dies wiederum ist sehr wahrscheinlich dem massenhaften Auftreten der Schwarzmundgrundel zu verdanken. Aktuelle Untersuchungen der Universität Hamburg haben ergeben, dass Zander nahezu aller Größenklassen Schwarzmundgrundeln fressen. Verwunderlich ist das nicht. Schwarzmundgrundeln haben eine für den Zander angenehme Größe, lassen sich gut schlucken und zeichnen sich durch ein Fluchtverhalten aus, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Selten schwimmen sie eine größere Distanz als ein, zwei Meter, bevor sie wieder zu Boden sacken und dort, vermutlich in der Hoffnung entkommen zu sein, starr verharren. Der mit hervorragenden Augen ausgestattete Zander muss sie also eigentlich nur einsammeln.

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Bild 2.: Schwarzmundgrundel als erfolgreicher Kunstköder für Zander.

Mittlerweile haben auch bereits viele Angler erkannt, welche Bedeutung die Schwarzmundgrundel im Nahrungsspektrum des Zanders hat, und verwenden sie als Köderfisch, der in kleinen Sprüngen über den Grund geführt wird. Diese Methode hat vermutlich Zukunft. Und inzwischen haben auch die Gerätehersteller reagiert und den einen oder anderen Grundelnachbau auf den Markt gebracht. Mal sehen, ob sie sich durchsetzen können. Schön anzusehen sind sie allemal!

Leider hat die Schwarzmundgrundel die Eigenschaft, während der Wintermonate den freien Grund zu meiden und sich fast ausschließlich in der Deckung aufzuhalten. Dort ist sie insbesondere für die großen Zander nicht zugänglich. Diese mussten sich daher neue passende Beute suchen – und haben sie ausgerechnet in dem starken Zanderjahrgang 2011 gefunden. Es bleibt zu hoffen, dass trotz des unsäglichen Kannibalismus reichlich junge Zander übrig bleiben, bis im März der Hering kommt und die Schwarzmundgrundeln wieder umherziehen. Die Chancen sind nicht schlecht! Und spätestens 2013 hat dieser Ausnahmejahrgang dann auch eine ordentliche Fanggröße erreicht.

Schonzeit für Zander im NOK: 01. März - 31. Mai

Weitere Informationen erhalten Sie bei der

Fischereiberatung Hegegemeinschaft Gewässersystem Nord-Ostsee-Kanal

Papenkamp 52, 24114 Kiel. Tel 0431 676818, Email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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