Die Störung  beim Anglerforum des LSFV wurde behoben.

Fischbesatz im Nord-Ostsee-Kanal und im Elbe-Lübeck-Kanal

Wir haben es alle bereits in der Schule gelernt: Wer eine natürliche Ressource nutzen will, der sollte es nachhaltig tun, damit diese Ressource auch zukünftigen Generationen noch in ausreichendem Umfang zur Verfügung steht. Fischbestände machen da keine Ausnahme.

Reicht die natürliche Reproduktion nicht aus, um einen fischereilich genutzten Fischbestand in einem angemessenen Umfang zu erhalten, so kann regelmäßiger Besatz eine sinnvolle Methode zur Bestandserhaltung sein, insbesondere dann, wenn sich die Ursachen für das eingeschränkte Fortpflanzungsvermögen der Fische auf absehbare Zeit nicht beheben lassen. Für die Karpfenbestände im Nord-Ostsee-Kanal und im Elbe-Lübeck-Kanal trifft dies zu. Da die Gewässer als Wasserstraßen gebaut wurden und entsprechend genutzt werden, können sie nicht den Bedürfnissen der Fische entsprechend umgestaltet werden. Dem Karpfen fehlen in den Kanälen ausgedehnte, mit Unterwasserpflanzen bestandene Flachwasserbereiche, die sich im Frühjahr schnell erwärmen und in denen die frisch geschlüpfte Larven große Mengen geeignetes Plankton vorfinden, das sie als Nahrung benötigen, um die ersten kritischen Lebensphasen schadlos zu überstehen. In den Nebengewässern der Kanäle gibt es zwar vereinzelt solche Gewässerabschnitte, aber auch dort gelingt die Reproduktion nicht regelmäßig und nur in geringem Umfang. Daher führt der LSFV seit Jahrzehnten Karpfenbesatz in den beiden vom ihm gepachteten Kanälen durch.

Die Besatzmengen variierten in der Vergangenheit erheblich. In den Jahren 2000 bis 2004 wurde der Besatz sogar gänzlich ausgesetzt, denn es war unklar ob der Karpfen überhaupt als heimische Fischart gilt. Nach einer Klarstellung durch den Gesetzgeber wurden die Besatzmaßnahmen dann ab 2005 wieder fortgeführt. Seitdem werden jährlich in unterschiedlichen Mengenverhältnissen einsömmrige (K1) und zweisömmrige Karpfen (K2) besetzt. Die Gesamtstückzahl pro Gewässer lag dabei jeweils zwischen 5.000 und 10.000 Tieren. Geliefert wurden die Karpfen stets von der Fischzucht Kemnitz in Aukrug. Die dort vermehrte Karpfenlinie wird schon sehr lange für Besatzzwecke in Schleswig-Holstein verwandt und hat sich gut bewährt.

 

Besatz_2012_I
Auch in diesem Frühjahr wurden wieder Karpfen besetzt. Versuchsweise ist aber diesmal auf den Besatz mit K1 vollständig verzichtet worden. Dafür wurden in beide Kanäle jeweils insgesamt ca. 5.000 K2 aus zwei verschiedenen Zuchtlinien gesetzt. Neben der bewährten und den meisten Anglern gut bekannten, normalen „Kemnitz-Linie“, kommt eine neu von Jan Kemnitz gezüchtete „Robustform“ in die Gewässer, die möglicherweise mit den hiesigen Bedingungen noch besser zurechtkommt und öfter bzw. erfolgreicher reproduziert als die bisher gesetzte Form. Man erkennt die Tiere leicht an der sehr langgestreckten Körperform und der auffällig unregelmäßigen Beschuppung der Seitenlinie. Wie sich der Besatz bewährt, wird unter anderem im Rahmen von Fischbestandserhebungen regelmäßig überprüft. Trotzdem benötigen wir auch dringend Rückmeldungen von unseren Anglerinnen und Anglern. Daher äußern wir auch in dieser Stelle wieder die dringende Bitte, unbedingt die Fangmeldungen abzugeben und auch besondere Beobachtungen, wie etwa ablaichende Karpfen, auf diesen zu notieren.

Als weitere Besatzmaßnahmen wird der Nord-Ostsee-Kanal in diesem Jahr voraussichtlich noch 150.000 vorgestreckte Aale, 40.000 vorgestreckte Ostseeschnäpel und 1.000 Quappensetzlinge erhalten. Der Besatz mit den beiden letztgenannten Arten wird vollständig über die Fischereiabgabe vom Land Schleswig-Holstein finanziert.

Der Elbe-Lübeck-Kanal wird 2012 zusätzlich zum Karpfen ebenfalls noch mit vorgestreckten Aalen besetzt. Ca. 13.000 Tiere sollen im Bereich zwischen Donnerschleuse und Schleuse Lauenburg in die Freiheit entlassen werden. Wie beim Nord-Ostsee-Kanal erfolgt der Besatz_2012_IIAalbesatz im Rahmen des EFF-Pilotprojektes „ Förderung des Aalbestandes in den Gewässersystemen Nord-Ostsee-Kanal und Elbe-Lübeck-Kanal“, das gemeinschaftlich von der EU, dem Land Schleswig-Holstein, sowie aus den Hegentgelten der Hegepflichtigten und Hegeberechtigten finanziert wird.

Zanderbesatz, wie zuletzt 2011, wird der Elbe-Lübeck-Kanal vorerst noch nicht wieder erhalten. Diesbezüglich sollen zunächst die Ergebnisse der Fischbestandserhebungen im kommenden Juni abgewartet werden, die zeigen müssen, ob die im letzten Jahr durchgeführten Besatzmaßnahmen erfolgreich waren.Besatz_2012_III

Die erstmals im Nord-Ostsee-Kanal und im Elbe-Lübeck-Kanal ausgesetzte „Robustform“. Die Tiere sind leicht an der sehr lang gestreckten Körperform und der auffälligen Beschuppung zu erkennen.

Impressum