Unter "Jugendtermine" und "Verbandstermine" stehen Einladungen zu Jugendveranstaltungen als Dateien zur Verfügung.

Dr. Werner H. Baur 88273 Fronreute, den 01.01.2006
Engelburgweg 13
Tel. 07502 4764
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An das Verteiler
Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Herrn Minister Horst Seehofer
Wilhelmstraße 54 (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

10117 Berlin



Betreff: Gefährdung heimischer Fisch- und Krebspopulationen durch eingeschleppte
Krankheitserreger
hier: Gefährdung der Karpfen durch das Koi-Herpes-Virus,
Gefährdung heimischer Krebse durch die Krebspest
Anlage: Brief an Funktionäre der Fischerei- und Naturschutzorganisationen

Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,


tief besorgt durch die aktute Gefährdung heimischer Krebs- und Fischpopulationen (siehe Anlage: Brief an Fischerei- und Naturschutzorganisationen) bitte ich Sie herzlich darum zu prüfen, ob nicht durch gesetzgeberische Maßnahmen diese Gefahr minimiert und auf ein überschaubares Maß zurückgedrängt werden kann. Zwar existieren im NatSchG, im TierSchG, in den Fischseuchenverordnungen und anderen Gesetzen schon Vorgaben, die dem Schutz heimischer Populationen dienen, doch greifen sie nicht zufriedenstellend, weil ihr Inhalt zu wenig bekannt ist und weil die KHV-Problematik darin noch nicht enthalten ist.


1. Die in der Anlage beschriebene Gefährdung der Karpfen (und möglicherweise weiterer Arten) durch das Koi-Herpes-Virus (KHV) beruht ganz offensichtlich auch auf dem unbe-kümmerten Aussetzen von Kois, was in der Regel auf Unwissenheit zurückzuführen ist. Diese Unwissenheit muss im Interesse gesunder Fischbestände unbedingt minimiert werden. Dazu könnte eine Verordnung hilfreich sein, die eine Informationspflicht bei Kauf/Verkauf von Kois in Ladengeschäften vorschreibt. Das könnte im einfachsten Fall durch ein Plakat geschehen, das jede Zoohandlung an gut sichtbarer Stelle aushängt, ergänzt durch Warn-hinweise beim Verkaufsgespräch. Auch ein beim Verkauf ausgehändigtes Merkblatt, das auf die Gefahren durch ausgesetzte Tiere hinweist, könnte zielführend sein.


2. Höchst sinnvoll erscheint mir, eine Rücknahmepflicht für mindestens all die Tierarten vorzuschreiben, die die jeweilige Zoohandlung (Kette) anbietet. So wäre der Druck von öffentlichen Gewässern genommen, wenn Personen, die eines Tieres überdrüssig geworden sind, dieses wieder kostenlos zurückgeben könnten. Ich erkenne dabei sehr wohl die Probleme, die damit auf die Geschäfte zukommen würden, denke aber, dass man mit all dem Sachverstand Ihres Hauses, der Fachbehörden und Institute des Bundes und der Länder und der Interessenverbände eine Lösung finden könnte.


3. Auch die heimischen Krebse, oder besser formuliert: Die kümmerlichen Reste heimischer Krebsbestände sollten vor weiterer Gefährdung durch eingeschleppte Krankheitserreger geschützt werden. Fremdländische Krebsarten, insbesondere die amerikanischen wie z.B. Signalkrebs, Kamberkrebs und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs sind häufig mit dem für heimische Populationen tödlichen Pilz, der die Krebspest auslöst, infiziert, ohne selbst daran erkranken zu müssen (Carrier). Mit jedem neu ausgesetzten Krebs aus einem Aquarium oder einem Gartenteich werden heimische Krebse gefährdet, wenn nicht ausgelöscht. Deshalb sollte die oben beschriebene Warnpflicht (Beratung, Plakat und Merkblatt) und evtl. eine Rücknahmeverpflichtung auch für den Verkauf/Kauf von Krebsen gelten.


4. Da mit entwichenen Tieren und dem Ablaufwasser von Hälterungen Krankheitserreger in die unterliegenden Gewässer verfrachtet werden können, sollten weitere Vorgaben gesetzt werden, die eine Gefährdung heimischer Populationen unterhalb von Hälterungen verhindern. Dies trifft für Zoohandlungen ebenso zu wie für Gaststätten, die z.B. Signalkrebse für ihre Gäste bereithalten. Auch für den Handel mit Speisekrebsen könnten deshalb Warn-, Plakat- und/oder Merkblattpflicht zielführend sein.



In der Hoffnung, dass Sie meine Anregungen aufgreifen und Maßnahmen zum Schutz unserer heimischen Populationen veranlassen verbleibe ich mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches neues Jahr mit freundlichen Grüßen

Werner Baur



Werner H. Baur 88273 Fronreute, 01.01.06
Engelburgweg 13
Tel. 07502 4764
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An die
Fischerei- und Naturschutzverbände der BRD
Gewässerwarte im LFV SWHz
mit der Bitte um Unterstützung

Betreff: Gefährdung heimischer Fisch- und Krebspopulationen durch
eingeschleppte Krankheitserreger
hier: Koi-Herpes-Virus (KHV): Gefahr für heimische Fischbestände!


Nach Massensterben zunächst unbekannter Ursache mit riesigen Verlusten in den Karpfen-beständen in den USA, in Israel, Japan, Indonesien und anderen Ländern zum Ende der 90er Jahre konnte man 1998 erstmals das Koi-Herpes-Virus (KHV) in Israel, in 2000 bei uns als Verursacher isolieren. In kurzer Zeit wurde es mit Satzfischen (Farbkarpfen „Koi“, aber auch „normalen“ Nutz-Karpfen) nach Südafrika, in die Niederlande, nach Polen, Belgien, Frankreich, Österreich, England und schließlich auch nach Deutschland importiert. Erst waren Hobby-Koihalter betroffen, danach Karpfenbetriebe; im Jahre 2003 wurden schon 200 Fälle registriert, davon 4 in Nutzkarpfenbeständen. Seit Ende 2003 sind in Japan über tausend Tonnen Karpfen an dieser hochansteckenden Krankheit verendet!

Wie heimtückisch dieses Virus ist, wurde 2005 bei einer Untersuchung in Bayern deutlich: Äußerlich völlig gesund erscheinende Karpfen wurden mittels PCR-Verfahren aus einem Bestand, bei dem keinerlei Anzeichen für ein Fischsterben erkennbar waren, auf KHV untersucht. Und das Virus wurde bei 3 Karpfen nachgewiesen, der erste Nachweis des KHV als Zufallsbefund in Bayern! Das Virus kann also latent in einem Bestand vorhanden sein, ohne dass auch ein einziger Fisch Auffälligkeiten zeigt.

Wesentlich schlimmer hat es Niedersachsen getroffen: Zu Einzelnachweisen in 2000 und 2001 kamen im ersten Halbjahr 2003 schon 5 Fälle, gefolgt von zahlreichen Erkrankungen in den Monaten Juli-September mit mindestens 17 Neuinfektionen. Und bis heute reisst die Reihe der Meldungen (bundesweit) nicht ab.

Auch Baden-Württemberg hat es erwischt: Aus der Nagoldtalsperre wird im Herbst 2005 berichtet, dass dort nach einer KHV-Infektion an die 70 Karpfen verendet seien. Für 2006 wird das bereits bestehende Angelverbot deshalb verlängert, es ist eine Tilgung der infizierten Karpfen vorgesehen. Das ist sinnvoll, ja notwendig, weil es sich bei der KHV-Erkrankung um eine der schlimmsten Seuchen auf dem Gebiet der Karpfenhaltung handelt. Die Bekämpfung der KHV in der EU wird ernsthaft diskutiert: Es ist dringend erforderlich, die KHV-Erkrankung in die Liste der Fischkrankheiten gemäß RL 91/67/EWG aufzunehmen.

Die Ansteckung erfolgt wohl über die Kiemen, nachdem über Haut, Kiemen und Darm infizierter Fische die Erreger ins Wasser gelangen, in dem sie mehrere Stunden ohne Wirt überleben können. Nach der Infektion dauert es je nach Temperatur etwa 10 bis 14 Tage, bis die Krankheit ausbricht (Inkubationszeit). Der ideale Temperaturbereich für das KHV liegt zwischen 18 und 25 Grad, weshalb auch in diesem die größten Schäden zu vermelden sind. Über 30 und unter 4 oC scheint das KHV seine Infektiosität zu verlieren.

Nicht immer ist mit der Infektion auch ein Massensterben verbunden: Der Krankheitsverlauf wird massiv durch Umweltbedingungen beeinflusst, wobei Sauerstoffmangel und andere schlechte Wasserqualitätsparameter, hohe Besatzdichte, mangelhafte Kondition und Stress ganz entscheidend das Verlustgeschehen bestimmen.

Befallene Fische fallen dadurch auf, dass sie sich aus dem Schwarm absondern, zunächst lethargisch herumstehen, die Futteraufnahme verweigern und unter Gleichgewichtsstörungen leiden; die Kiemen sind geschwollen, die Fische hyperventilieren. Hauttrübungen und Hautablösungen treten auf, die Fische fühlen sich rau an (Sandpapiereffekt); die Augen fallen ein, das Kiemenepithel stirbt ab (Kiemennekrose) und an inneren Organen (Leber, Milz, Nieren, Darmschleimhaut) bilden sich Entzündungsherde. Die Sterblichkeitsrate liegt bei 70 bis 100 %; wenn Wasserqualitätsparameter, sonstige Umweltbedingungen und Kondition stimmen, kann die Verlustrate aber auch deutlich niedriger liegen.

Inzwischen gibt es Impfstoffe aus Isreal, auch „immunisierte“ Fische sind auf dem Markt, also Fische, die mit dem Virus infiziert wurden, die Infektion überlebt haben und nun „immun“ sind: Mehrere Tage zusammen mit infizierten Fischen gehälterte Karpfenbrut, die danach ebenfalls infiziert ist, wird bei 30 oC in flache Becken ausgesetzt. Die überlebenden Karpfen gelten als immun; es wurde aber schon nachgewiesen, dass sie es nicht sind. Beide Gruppen, die „geimpften“ und die „immunisierten“ Fische, sind als höchst gefährlich einzustufen, denn sie können das Virus noch beherbergen und ausscheiden (Viruslatenz). So werden sie -scheinbar gesund- als Satzfische verkauft, eingesetzt und mit ihnen das Virus, das dann eine Katastrophe auslösen kann. Über 18 Monate nach der „Immunisierung“ konnte in Karpfen noch virale Erbinformation (DNA) nachgewiesen werden! Aber auch mit dem PCR-Verfahren untersuchte Fische können falsch negativ beurteilt werden, weil das Virus sich geschickt im Fischkörper an einem noch nicht identifizierten Ort, vielleicht im Gehirn (?) „verstecken“ kann, so dass auch eine Untersuchung mit negativem Ergebnis zwar eine hoch wahrscheinliche, aber keine absolute Sicherheit bieten kann. Solche latent infizierten, aber gesund erscheinenden Fische, potentielle Virusausscheider, auch „Carrier“ genannt, sind das große Problem bei dieser Seuche!

Das ist die Situation, in der wir uns befinden: Sie schreit geradezu nach Konsequenzen, denn wir sind verpflichtet, einen gesunden Fischbestand zu hegen! Dazu einige Anregungen:

1. Schnäppchenkäufe, immer schon eine höchst riskante, oft genug verlustreiche Art der Bewirtschaftung von Fischgewässern, müssen jetzt im Lichte der neuen Gefahr absolut tabu sein! Da auch andere Fischarten, nicht nur Koi und Nutzkarpfen, vom KHV befallen sein können, betrifft das Tabu alle Fischarten: Goldfische und Stör erkranken wohl nicht, es kann aber nicht ausgeschlossen werden, dass auch sie das Virus ausscheiden. Sogar der Aal wird als empfänglich diskutiert. Und ob die Liste um weitere empfängliche Arten verlängert werden muss, wird die Zukunft erst zeigen. Da es derzeit keine Heilung gibt, ist Prävention die einzige Möglichkeit, sich vor KHV zu schützen. Deshalb ist es dringend geboten, bei Zukäufen sich vom Lieferanten schriftlich die Zusicherung geben zu lassen, dass der Karpfenbestand im Lieferjahr bei Temperaturen über 20 °C mittels PCR auf KHV mit negativem Ergebnis untersucht wurde. Am besten ist es wohl, sich bei der Anlieferung von Fischen eine Kopie des Untersuchungsergebnisses aushändigen zu lassen.

2. Experten gehen davon aus, dass ca. 20 % der Koi-Bestände in Deutschland infiziert sind. Deshalb ist es strikt zu vermeiden, dass Koi-Karpfen in Fischgewässer ausgesetzt werden. Jeglicher Kontakt von Koi-Karpfen mit Nutz-Karpfen oder Gerätschaften ist zu vermeiden. Es ist wichtig, dass von Seiten der Angler/Naturschutz über alle Medien darauf hingewiesen wird, dass man gegen das Fischerei-, Tierschutz- und Tierseuchengesetz verstößt, wenn man kranke Koikarpfen, auch im guten Glauben, ihnen zu helfen, in freie Gewässer aussetzt!

3. In Gewässerordnungen sollte festgelegt sein, dass Köderfische nicht ans Gewässer mit-gebracht werden dürfen. Diese verbindliche Vorgabe ist geradezu überlebensnotwendig für heimische Fischpopulationen und unverzichtbar!!! Köderfische sind in dem Gewässer zu fangen, in dem mit ihnen auf Raubfisch geangelt werden soll. Damit könnte ein großes Gefahrenpotential (aus den unsichersten Quellen stammende Carrier) abgebaut werden. Köderfische, die im Angelgewässer gefangen und dann gehältert wurden, dürfen nicht mitgenommen oder zurückgesetzt werden. Sie sind am Gewässer zu töten und -wenn mög-lich- sinnvoll zu verwerten. Damit kann die Verschleppung einer möglicherweise vorhan-denen Infektion über Köderfische/Köderfischeimer vermieden werden.

4. Besonders kritisch sind "Ringkarten", also Karten zu bewerten, die ein Angeln an mehreren Gewässern erlauben. Ringkartenfischer sind häufig sehr aktive Fischer, die am Vormittag an Gewässer A angeln, nachmittags aber schon an Gewässer B fischen. Noch nie habe ich erlebt, dass einer etwa sein nasses Netz, seine Stiefel oder Köderfischkessel vor dem Einsatz an Gewässer B desinfiziert hätte. So könnten ggf. Viren und andere Krankheitserreger schnell und effektiv von einem ins andere Gewässer verschleppt werden. Wir sollten uns deshalb überlegen, ob nicht wenigstens für besonders kritische Situationen eine Desinfektionspflicht für Köderfischsenken, Setzkescher, Köderfischeimer, Netze, Stiefel usw. eingeführt werden sollte, um unserer Hegeverpflichtung gerecht zu werden. Schon die Vorschrift, dass nur über mehrere Tage dem Licht ausgesetzte, absolut trockene Geräte (Kescher usw.) an das Gewässer mitgebracht werden dürfen, könnte helfen, denn nicht nur das KHV wird z.B. durch UV-Licht und Trockenheit getötet. Auch über die seuchenhygienische Notwendigkeit, jeden Tag nur l Ringkarten-Gewässer aufsuchen zu dürfen, sollte man ernsthaft nachdenken:

5. Die regelmäßige Desinfektion von Fahrzeugen, Transportbehältern, Keschern usw. der Gewässerwarte wird angesichts der akuten Gefahren unerlässlich! Nach jedem Einsatz sind sie zuverlässig zu desinfizieren und zu trocknen.

6. Umsetzaktionen, Zukauf von Besatzfischen, regelmäßiges "Auffüllen" der Bestände durch regelmäßige Besätze sollten kritischer als bisher beurteilt und wenn, dann nur unter Berück-sichtigung aller seuchenhygienischen Vorsichtsmaßnahmen durchgeführt werden.

7. Intensive, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Fischgesundheitsdiensten könnte manches Risiko minimieren, wenn aus gegebenem Anlass (z.B. Zukauf, Umsetzungen) re-gelmäßig Stichproben untersucht würden. In einigen Ländern, so z. B. in B.-Württemberg, werden seit 2 Jahren alle dem FGD angeschlossenen Karpfen-Betriebe auf KHV untersucht.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Baur

PS für die Vereine: Es hindert Sie niemand daran, im Vorgriff auf behördliche Regelungen mit den Zoogeschäften vor Ort Warnhinweise bei Verkaufsgesprächen und das Aushängen eines Plakates zu vereinbaren und Merkblätter auszulegen (Plakat und Merkblätter mit den Zoogeschäften/Verbänden abstimmen, anfertigen und übergeben).

   
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