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Saarbrücken – In einer historischen Sitzung haben die Angler im Deutschen Angelfischerverband (DAFV) ihre Verschmelzung „gefeiert“. Der 71-jährige Werner Landau aus Hessen wurde zum neuen Vizepräsidenten gewählt. Er ist Nachfolger von Björn Bauersfeld, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte. Ein Misstrauensantrag des LSFV Niedersachsen gegen DAFV-Präsidentin Dr. Christel Happach-Kasan wurde gegen die Stimmen der Niedersachsen mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Niedersachsen entscheiden nun am 8. Dezember über einen Verbleib oder den Abschied aus dem DAFV. Dr. Christel Happach-Kasan wünschte sich von den Niedersachsen aber auch den Bayern einen Verbleib im DAFV.

Dr. Christel Happach-Kasan bezeichnete die erste Jahrestagung des Deutschen Angelfischerverbandes als „einen großartigen Augenblick in der Geschichte der Angelfischerei“. Mit der Fusion seien 43 Mitgliedsverbände vereint worden. Mit den Eintragungen zwischen Mai und Juli 2013 bei den Registriergerichten in Offenbach und Berlin-Charlottenburg sei die Verschmelzung wirksam geworden. Amtszeit und offizielle Handlungsfähigkeit des DAFV begannen am 19. Juni 2013.

Bereits vorher habe es jedoch Aktivitäten, Interviews und Stellungnahmen gegeben. Dabei habe der DAFV ein gutes Echo in den Medien gefunden. „Ich habe mir zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit meinen Präsidiumskollegen und mit Ihnen eine starke Interessensvertretung der deutschen Anglerschaft gegenüber den politischen Entscheidungsträgern, der Zivilgesellschaft, den Behörden in Deutschland und in der Europäischen Union zu organisieren. Ich freue mich auf diese Arbeit“, sagte Dr. Christel Happach-Kasan weiter.

Eine erfolgreiche Wahrnehmung dieses Amtes setze voraus, dass die Angler diesen Erfolg auch wollten und ihre Präsidentin und ihr Präsidium nach Kräften unterstützen. Happach-Kasan sagte, sie sei auf die Mitarbeit angewiesen. Im Gegenzug bringe sie fachliches und politisches Wissen mit, das sie gern im Interesse der Sache einbringe. Die DAFV-Präsidentin sprach die Probleme der Zukunft an. Mitgliedsvereine, die bereits ihren Austritt aus dem gemeinsamen Verband beschlossen haben, sollten zur Umkehr bewegt werden. „Wenn wir das schaffen, dann haben wir den finanziellen Spielraum, den wir brauchen, um eine kraftvolle Vertretung der anglerischen Interessen aufzubauen“, sagte Happach-Kasan weiter. Es sei allerdings nicht möglich, nach Minderung der Einnahmen im zweistelligen Prozentbereich, die bisherigen Leistungen in vollem Umfang aufrecht zu erhalten. Auch die externen Finanzberater sagten der Versammlung, der DAFV werde um eine Erhöhung der Beiträge nicht herumkommen.

In einem weiteren wichtigen Schritt müssten es die Angler schaffen, sich über ihre unterschiedlichen Vorstellungen auszutauschen, Toleranz gegenüber anderen Vorstellungen zu entwickeln und den DAFV mit den jeweiligen Stärken zu unterstützen, um die Schwächen auszugleichen. Happach-Kasan: „Das ist eine extrem schwere Aufgabe.“

Im DAFV-Präsidium jedenfalls sei die Arbeit aufgeteilt worden, obgleich Björn Bauersfeld, Vizepräsident für Finanzen, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt schon wieder abgeben musste. Die DAFV-Präsidentin selbst zeichnet für Kontakte zu nationalen und internationalen Gesetz- und Verordnungsgebern und Behörden sowie der Öffentlichkeitsarbeit und das Ressort Personal und Verwaltung verantwortlich. So hat der DAFV mittlerweile ein Verbandslogo erhalten. Es zeigt die Forelle als Fisch des Jahres der Verschmelzung aber auch Symbole der ehemaligen Verschmelzungsverbände VDSF und DAV. Unter www.dafv.de ist der Verband im Internet vertreten. Der Umfang wächst von Tag zu Tag. Publikationen des DAFV sind monatlich in der Angelzeitschrift „Blinker“ zu finden. Verbandsinformationen gibt es außerdem weiter über die AFZ Fischwaid sowie Angeln & Fischen. Allerdings müssen aufgrund der Finanzlage des DAFV bei der AFZ Fischwaid Einsparungen erfolgen. So soll das Heft auch als Newsletter digital und in gedruckter Form in anderen Abständen erscheinen.

Schwer sei allerdings die Erstellung des Haushaltes gewesen. Das, so Happach-Kasan, hatte verschiedene Gründe. So sei der krankheitsbedingte Ausfall von Schatzmeister und Vizepräsident Björn Bauersfeld im Präsidium kompensiert worden. Die DAFV-Präsidentin zeigte sich überzeugt davon, dass ein starker DAFV allen Interessen der Angler dient. Sie bedaure die Austrittserklärung eines jedes einzelnen Verbandes aus dem DAFV, denn: „Je einiger die Anglerschaft ist, desto mehr kann sie bewirken.“ Rom sei auch nicht an einem Tag erbaut worden. So sei die Verschmelzung der beiden großen Verbände auch nicht in einem Jahr zu leisten. Um die Fusion verdiente Angler sind von DAFV-Präsidentin Dr. Christel Happach-Kasan ausgezeichnet worden: der ehemalige VDSF-Präsident Peter Mohnert, der ehemalige DAV-Vizeräsident Prof. Werner Steffens sowie die Vizepräsidenten Dr. Matthias von Lukowicz, Heinz Günster, Matthias Ripperger (alle ehemals VDSF) sowie Hans Kemp (DAV) und Mario Raddaz.

In der Aussprache erklärte der Präsident des LSFV Mecklenburg-Vorpommern, Prof. Dr. Karl-Heinz Brillowski, seine außerordentliche Jahresversammlung habe im März den Austritt aus dem DAFV beschlossen. Nach dem „heutigen, ermutigenden Jahresbericht der Präsidentin“ allerdings will sich Brillowski bemühen, den beschlossenen Abschied seines LSFV aus dem DAFV rückgängig zu machen. Es sei ermutigend, wie sich die Präsidiumsmitglieder in die Diskussion einbinden. Brillowski zeigte sich optimistisch, weiterhin die Integration als Philosophie leben zu dürfen. Seine Forderung nach mehr Informationen der Verteilung der Aufgaben und die Zukunft der im DAFV hauptamtlich Beschäftigten, entschuldigte Dr. Christel Happach-Kasan mit zu vielen Aufgaben im Präsidium bedingt durch den Ausfall des Schatzmeisters.

In der Aussprache verlangte Jürgen Kaht vom Landesfischereiverein Südwürttemberg-Hohenzollern einen besseren Umgangston unter den Verbänden. Er forderte die Kritiker des DAFV-Präsidiums auf, sich aktiv in die Arbeit des Verbandes einzubringen. Kaht warnte vor Schnellschüssen: „Wir brauchen eine Geschlossenheit in der Außenwirkung,“ sprach er der DAFV-Präsidentin „aus dem Herzen“, wie sie sagte. Die Arbeit werde ehrenamtlich erledigt und solle Spaß bringen, fehlte Dr. Christel Happach-Kasan „manchmal der gefühlte Respekt des Gegenübers“.

Den Bericht der Revisoren nahm Werner Klasing, Präsident des LSFV Niedersachsen, kritisch unter die Lupe. Denn: laut Satzung müssten die Revisoren die Kasse zwei Mal im Jahr prüfen. Das aber hätten sie nicht getan. Deshalb, so Klasing, könne „heute auch keine Entlastung des alten VDSF-Präsidiums für 2012 erfolgen“. Peter Mohnert lenkte ein, dass in der Kürze der Zeit eine zweite Kassenprüfung nicht möglich gewesen sei. Hans-Werner Schiffert, Schatzmeister der Niedersachsen, empfahl die Einsetzung eines Haushaltsausschusses. Hintergrund der Kritik aus Niedersachsen war eine Unterdeckung bei den Personalkosten. Am Ende wurde die Entlastung mit 135 zu 29 Stimmen bei 32 Enthaltungen erteilt und der neue Haushalt – allerdings mit einer Unterdeckung – genehmigt.

Ein Misstrauensantrag vom LSFV Niedersachsen gegen DAFV-Präsidentin Dr. Christel Happach-Kasan befasste sich mit der Arbeitsweise der Präsidentin und ihres Präsidiums. Probleme würden spät oder sogar gar nicht behandelt, so der Vorwurf der beantragenden Niedersachsen. Werner Klasing stellte fest, der Misstrauensantrag solle kein Abwahlantrag oder eine Aufforderung zum Rücktritt sein. Klasing sah in der Abstimmung einer Missbilligung eine „gelbe Karte“ für Happach-Kasan. DAFV-Vizepräsident Bernhard Pieper gab zu: „Es war am Anfang sehr holprig.“ Hier sei viel Arbeit geleistet worden. Bedingt durch den Ausfall  des Schatzmeisters sei es schwierig geworden. „Diese Frau hat doch Nerven, die will was für die Fischerei tun“, schrieb ein leidenschaftlicher Bernhard Pieper den Niedersachsen ins Stammbuch.

Michael Kuhr, Pressesprecher LSFV Schleswig-Holstein

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