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Kiel – Auf leider nur geringes Interesse stieß am Freitag (21. Oktober) der letzte Angler-Stammtisch des Landessportfischerverbandes in diesem Jahr in Kiel. Lediglich sieben Vertreter aus Vereinen aus der Landeshauptstadt Kiel und den Nachbarkreisen waren in das Haus des Sports gekommen. Ihnen standen LSFV-Präsident Ernst Labbow, die beiden Vizepräsidenten Gert Schümann und Sven Bastian sowie Geschäftsführer Dr. Dieter Bohn und sein Stellvertreter Robert Vollborn Rede und Antwort.

Im Wesentlichen ging es in Kiel – wie in Itzehoe und Friedrichstadt auch – um die Sorgen und Nöte aus der Anglerschaft. Und die kamen trotz kleiner Besetzung reichlich auf den Tisch. Kritisch angemerkt wurde, dass die Jahreskarten für den Nord-Ostsee-Kanal aber auch die Beitragsmarken vom LSFV für die Vereine sehr spät im Jahr die Vereine erreichten. Darauf habe der LSFV keinen Einfluss, das die Kanalkarten vom Wasser- und Schifffahrtsamt und die Beitragsmarken vom VDSF an den LSFV geschickt würden. Die Geschäftführung versprach aber zu intervenieren.

Angeregt wurde aus dem Plenum, dass die jährliche Fischereischeinabgabe auch vom LSFV einzogen werden könne. Präsident Ernst Labbow erläuterte, dass der Verband darüber bereits vor Jahren mit der im Land regierenden SPD leider erfolglos gesprochen habe. Im Zuge der Verwaltungsstrukturreform würde der LSFV allerdings einen neuen Anlauf unternehmen.

Angemerkt wurde kritisch, dass manchmal gebuchte Strecken für Gemeinschaftsfischen auf dem Nord-Ostsee-Kanal von Vereinen doppelt belegt seien. Die LSFV-Geschäftsführung berichtete von einer sehr gewissenhaften Arbeit in der Geschäftsstelle. Allerdings könne bei über 170 Gemeinschaftsangeln im Jahr am Nord-Ostsee-Kanal schon mal eine Doppelbelegung passieren.

Angemerkt von den Vereinsvertretern wurde beim Angler-Stammtisch des LSFV auch die angeblich schlechten Fänge im Nord-Ostsee-Kanal. Möglicherweise habe der Saugbagger viele Flundern „verschluckt“. In diesem Jahr jedenfalls seien kaum Flundern gefangen worden. Der für das Gewässersystem Nord-Ostsee-Kanal zuständige LSFV-Fischereibiologe Rüdiger Neukamm erläuterte, dass der Saugbagger im NOK großen Schaden in der Fischfauna angerichtet hat. Das sei auch dem Wasser- und Schifffahrtsamt gemeldet worden und solle künftig nicht mehr vorkommen. Neukamm: „Es wird auf Einsätze in den Wintermonaten verzichtet.“

2004 sei im NOK gut gefangen worden, entnahm der Diplom-Biologe Rüdiger Neukamm aus den Fangstatistiken. Besonders gut sei die Oststrecke gewesen. Aber auch in diesem Jahr sei im NOK gut gefangen worden, berichtete er weiter. Dabei zeigte sich der LSFV-Biologe sehr optimistisch. Denn: Der Salzgehalt sei in Teilen des NOK so hoch wie in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr. Dadurch allerdings würden die Fische auch etwas „launischer“, weil sie sich im Gewässer neu orientieren müssten. Neukamm: „Die Fauna im NOK stellt sich um.“

Jährlich würden in den NOK nach Erteilung einer Sondergenehmigung vom Fischereiamt 10.000 Karpfen in den NOK eingesetzt. So sei in besonders westlichen Teilbereichen des Nord-Ostsee-Kanals auch sehr gut gefangen worden. Durch den jährlichen Besatz von 10.000 Karpfen (K1 und K2) würde über Jahre ein ordentlicher Karpfenbestand im NOK aufgebaut, freute sich Rüdiger Neukamm für die Angler.

Weniger Freude für die Angler verbreiteten hingegen die Wollhandkrabben. Seit ihrer Einführung in Europa weisen sie nach den Worten von Rüdiger Neukamm in Deutschland europaweit die größte Dichte. Er beruhigte die Angler: „Nach einer großen Population erfolgt meist im nächsten Jahr ein Einbruch.“ Die Angler sollten auf viel Frost im Winter hoffen. Den überleben die meisten Wollhandkrabben in unseren Gewässern nicht.

Trotz geringer Beteiligungen bei den Angler-Stammtischen zog LSFV-Präsident Ernst Labbow ein zufriedenes Fazit. Die Einrichtung sei ein gutes Stück Öffentlichkeitsarbeit. Von den Teilnehmern wurde das LSFV-Präsidium ermuntert, auch im nächsten Jahr wieder Angler-Stammtische anzubieten. Die Vertreter der Vereine beklagten auch ein geringes Interesse ihrer Mitglieder an der Vereinsarbeit. Hier müsse in Zukunft etwas geschehen.