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Brüssel/Hamburg – Der vom Aussterben bedroht Kabeljau soll in seinem Bestand in Nord- und Ostsee besser geschützt werden. Darauf verständigten sich die EU-Fischereiminister nach einem 14 Stunden langen Verhandlungsmarathon in Brüssel. Sie erließen Schutzmaßnahmen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast, die für die Nordsee erfolglos weitergehende Fangbeschränkungen gefordert hatte, sagte: „Die Maßnahmen sind zu langsam, aber sie gehen in die richtige Richtung.“ Die Entscheidung fiel gegen Litauen. Griechenland und Lettland enthielten sich.

Während der Nachtsitzung verlautete aus den Delegationen, dass sich sich vor allem Großbritannien, Frankreich, Spanien und Portugal gegen drastische Auflagen wie das Sperren großer Gebiete für die Fangflotten in der Nordsee sperrten. Künast: „Dafür ist außer Deutschland niemand eingetreten.“ Aber Deutschland allein könne die Mehrheit nicht herstellen. Zufrieden zeigte sie sich allerdings mit den Plänen für die Ostsee, wo der Kabeljau Dorsch genannt wird. Dessen Bestände stünden sehr viel schlechter da als die des Nordsee-Kabeljaus.

Im östlichen Teil der Ostsee werde 2005 die Zahl der Sperrzonen um zwei auf drei erhöht. Dort dürften die Flotten während des ganzen Jahres nicht fischen. Zudem solle dort das Sommerfangverbot von bisher zwei auf viereinhalb Monate verlängert werden. Die Höchstfangmenge in diesem Gebiet werde nur geringfügig von 41.650 auf 39.000 Tonnen verringert. In der westlichen Ostsee solle die Fangmenge von 29.600 auf 24.700 Tonnen sinken. Hier dürften Fischer im Sommer zwei Monate nicht auf Kabeljaufang gehen.

Angesichts des massiven Widerstandes rückte EU-Fischereikommissar Joe Borg während der Verhandlungen von seinem ursprünglichen Ziel ab, auch in der Nordsee Sperrgebiete einzurichten. Die Mitgliedstaaten einigten sich stattdessen darauf, die Zahl der erlaubten Fangtage pro Monat für Kabeljau durchschnittlich von zehn auf neun zu verringern. Wissenschaftler hatten als Alternative zu Sperrzonen zwei Fangtage weniger gefordert. „Es zeigt zumindest in die richtige Richtung“, sagte Künast.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte die EU-Staaten, endlich auf die Wissenschaftler zu hören. „Die Beschlüsse werden auch im kommenden Jahr nichts zum dringend notwendigen Schutz von Kabeljau, Scholle und Seezungen beitragen“, sagte ein Greenpeace-Experte. Im Fall des Kabeljaus müssten 40 Prozent der beiden Gewässer unter strikten Schutz gestellt werden. Der WWF nannte den Beschluss „kraftlos und wenig Ziel führend“. Die Organisation wertete es als fatal, dass die Minister sich über wissenschaftliche Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung (ICES) hinweggesetzt hätten.

Deutsche Presseagentur
aus Tageszeitungen entnommen
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