Wegen krankheitsbedingten Personalausfalls und vieler auswärtiger Termine für die weiteren Mitarbeiter ist die Geschäftsstelle nicht immer zu den üblichen Zeiten besetzt.

Wieviel Dorsch fängt der Angler?

Die Frage nach der Dorschfangmenge von Freizeitfischern insbesondere auf der Ostsee wird seit einiger Zeit heftig diskutiert. Einer Pilotstudie aus dem Institut für Ostseefischerei in Rostock (IOR) im Auftrag der EU zufolge könnten Anglerinnen und Angler eine unerwartet hohe Menge anlanden und dabei zwischen 26% und 73% der Fischbiomasse im Vergleich zu den Entnahmen der deutschen Berufsfischerei anlanden. Damit wäre eine Bestandsrelevanz möglich.

Am 9. November 2007 stellten Mitarbeiter des Instituts ihre Untersuchungen, die bisherigen Ergebnisse und die möglichen Schlußfolgerungen Vertretern der Sportfischer des VDSF, der Landesverbände Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, des DAV, des DMV und einem Angelkutterkapitän vor.

Es wurde intensiv debattiert, ob die Zahl der Proben, die Art und Weise der Datenerfassung sowie der Auswertung tatsächlich diese Eindeutigkeit der vorgestellten Aussagen zulassen. Hierbei gerieten insbesondere die Fänge beim Kutter- und beim Bootsangeln in das Zentrum der Betrachtung. Sie sollen immerhin für ca. 80% - 90% der Gesamtentnahme verantwortlich sein. Die Vertreter der Sportfischer hielten und halten diese Zahlen für deutlich überschätzt. Der VDSF belegte seine Annahme vorläufig mit zwischenzeitlich zusammengetragenen Daten, hauptsächlich aus dem Bereich der Angelkutter.

Im Verlauf der Diskussion wurde die Problematik der bisher zu geringen Datenmengen von allen Beteiligten hervorgehoben. Keine Organisation verfügt zum jetzigen Zeitpunkt über ausreichende Strukturen und Zugriffmöglichkeiten, um umfassende, aussagekräftige und verläßliche Daten zu erstellen. Zunächst sprechen nur jahrzehntelange Erfahrungen unserer Mitglieder gegen die vom IOR bereits nach Brüssel gemeldeten Zahlen. Zweifel bestehen allerdings auch dort und sie führten zu der Entscheidung, daß weitere Untersuchungen erforderlich seien.

Nachdem die VDSF-Landesverbände in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern nun bereits kurzfristig eigene Umfragebögen verschickt haben, möchte der VDSF gleichfalls eine Recherche beginnen. Es wurde aber deutlich hervorgehoben, daß alle Beteiligten ein offenes Zusammenarbeiten unter rechtzeitiger gegenseitiger Einbeziehung für unerläßlich ansehen. Die bisherige Vorgehensweise kann hierzu keineswegs als Maßstab dienen, zumal die Angler nur als Datenlieferanten dienten, von der Auswertung und Bekanntgabe der zweifelhaften Ergebnisse jedoch vollkommen überrascht wurden. Dennoch: ein simultanes Wirken unterschiedlicher Einrichtungen zum gleichen Untersuchungsgegenstand wäre eigentlich eine Vergeudung von Kräften und könnte letztlich nur dazu führen, daß die Ergebnisse gegenseitig bezweifelt werden. Damit entstünde eine unübersichtliche, unbefriedigende Situation, mit der keinem gedient wäre.

Wäre das bisher nicht überzeugende Ergebnis tatsächlich zutreffend, dann führte ein nachgewiesener Einfluß der Freizeitfischerei auf die Dorschpopulation mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Konsequenzen für die Bemessung und Aufteilung von Fangquoten. Bis es dazu kommt, müssen effektive Techniken aufgebaut werden, die eine genauere Fangerfassung ermöglichen, um die Schätzungen zu den Entwicklungen der Dorschbestände zu optimieren. Eine Ausweitung bürokratischer Regelungsdichten, die nicht kontrollierbar sind, können in niemandes Interesse sein. Es kann und muß ausschließlich darum gehen, die Verbesserung der nachhaltigen Nutzungsfähigkeit einer wichtigen Fischart in der Ostsee zu erreichen.

Eine Einbeziehung des VDSF, des LAV Mecklenburg-Vorpommern und des LSFV Schleswig-Holstein ist schon deshalb unverzichtbar, weil alle Daten von Anglerinnen und Anglern stammen. Jedoch können solche aufwendigen Projekte nur mit dem vorhandenen Budget bei weiterhin bestmöglicher Erfüllung der hauptsächlichen Aufgaben der Verbände nicht verwirklicht werden. Auch insofern muß also eine Beteiligung erfolgen.



Ernst Labbow
Präsident

Impressum