Sportwartetagung fällt aus!

Die für den 20. März vorgesehene Sportwartetagung fällt wegen geringer Anmeldezahl und Erkrankung eines Referenten leider aus.

Es ist bedauerlich, dass das Nachrichtenmagazin Spiegel online in seinem Artikel „Fisch in der Krise – Aalarm!“ vom 21.02.2022 die Gelegenheit verpasst hat, differenzierter über das komplexe Thema Aal zu berichten. Eindimensionale Maßnahmen (hier: die Einstellung der Fischerei) waren nie besonders erfolgreich, wenn es darum ging, komplexe Probleme zu lösen. Die Berücksichtigung anderer Expertenstimmen zu dem vielschichtigen Thema hätten dem Artikel gut getan. Diesem Umstand widmet sich eine Stellungnahme des DAFV, die hier zu lesen ist.

Für Sportwarte der LSFV-Vereine liegt die Ausschreibung der Tagung 2022 vor.

Seit Oktober 2021 gibt es in einigen Vereinen Verunsicherungen, weil Mitglieder vereinzelt meinen, aufgrund eines neuen Gesetzes zum Schutz von Verbrauchern monatlich die Vereinszugehörigkeit kündigen zu können.

Tatsächlich regelt das „Gesetz für faire Verbraucherverträge“ für neu abgeschlossene Verträge, die die regelmäßige Lieferung von Waren (z.B. Zeitungsabonnement) oder die regelmäßige Erbringung von Dienst- oder Werkleistungen (z.B. Fitnessstudio, Telefonvertrag) betreffen, dass diese zunächst nur für bis zu einem Jahr gelten. Bei automatischer Vertragsverlängerung erhalten Kunden ein monatliches Kündigungsrecht.

Für die ganz anders geartete Rechtsnatur einer Vereinsmitgliedschaft ändert sich hingegen nichts. Es gelten weiterhin die in der Satzung festgelegten Kündigungsfristen, oft vier Wochen oder drei Monate zum Jahresende.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein plant in der Zeit vom 15.-19.08.2022 einen Elektrofischereilehrgang durchzuführen. Der Lehrgang umfasst alle Themenbereiche mit der Abschlussprüfung „BEDIENUNGSSCHEIN“ und  ist in Niedersachsen und Schleswig-Holstein als Weiterbildungsveranstaltung nach dem Bildungsfreistellungs- und Qualifizierungsgesetz (BFQG) anerkannt.

Kosten: 320,00 Euro (Lehrgang, Prüfung und Bedienungsschein inkl. Unterrichtsmaterial, Sicherheitshandschuhe)

Unterbringung nach Bedarf im Internat der DEULA, eigene Anmeldung und Abrechnung.

Anmeldung: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Referat Fischerei, Grüner Kamp 15-17, 24678 Rendsburg, Tel: 04331 – 9453-431 oder fischerei@lksh.de

Der Jahresbericht 2021 der LSFV-Jugend ist hier veröffentlicht.

Liebe Mitglieder und Freunde unseres LSFV,

heute möchte ich meinen Rundbrief mit einem großen Dank an alle Vereine und Kreisverbände beginnen. Machen wir uns nichts vor – wir befinden uns nach wie vor in schwierigen Zeiten. Aber die allermeisten Angelvereine und Verbände bei uns im Lande haben viele dieser Schwierigkeiten großartig gemeistert, obwohl das nicht einfach war. Wie verwalte ich einen Verein in solchen Zeiten – oftmals ohne Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Abstimmung? Solche ehrenamtlichen Aufgaben waren allgemein schon schwierig, aber in Coronazeiten wurden und sind diese Dinge noch komplizierter. Es kamen sogar weitere Aufgaben hinzu.

Viele endeckten ihre alte Liebe zum Angeln wieder oder fingen an, sich für unsere Passion zu interessieren. Es drängten viele hinaus ans Wasser. Diese Menschen wollten eine Ausbildung und Aufnahme in die Angelvereine, und das musste mit allem was dazugehört unter erschwerten Pandemiebedingungen irgendwie gemanagt werden. Das wurde in ganz vielen Vereinen möglich gemacht! Dafür meinen herzlichen Dank – das hat gezeigt, wozu unsere Vereine und unsere Gemeinschaft wirklich fähig ist.

Einige stempeln Angelvereine grundsätzlich als eine Horde biertrinkender Vereinsmeier ab. Andere haben uns schon als sehr wichtigen Faktor für Umwelt und Naturschutz erkannt. In der Coronakrise haben wir einen weiteren Teil unseres Gesichts gezeigt – das soziale. Wir übernehmen wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. 42 000 Mitglieder und die dazugehörigen Familien nutzen die Angebote, die ihnen unsere Vereine und Verbände bieten – Tendenz weiterhin steigend.

Wir ermöglichen Menschen gerade in so schwierigen Zeiten Ruhe und Entspannung an den von uns gehegten und gepflegten Gewässern zu finden. Wir erhalten diese Lebensräume artenreich und schön. Wir führen Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und Altersgruppen zusammen und bauen barrierefreie Angelplätze, um noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, an unserer Natur teilzuhaben. Wir leisten Jugendarbeit und vermitteln in unseren Fischereischeinlehrgängen Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in unserer Umwelt. All das passiert unter immer schwerer werdenden Bedingungen. Dafür haben die Vereine eigentlich Wertschätzung und Dank verdient. Manchmal kommt es gefühlt aber ganz anders an.

Überall wird davon gesprochen, das Ehrenamt und die Vereine stärken zu wollen – in der Praxis sieht das leider oft ganz anders aus. Nicht genug damit, dass wir häufig mit unqualifizierten Angriffen von selbsternannten Tierschützern zu kämpfen haben. Wir erleben bei unseren anerkannt gemeinnützigen Vereinen und Verbänden einen immer größeren Zuwachs an Auflagen und Bürokratie. Übertrieben gesagt zieht jede Bratwurst, die man beim Vereinsgrillen ausgibt, einen halbtägigen Verwaltungsakt nach sich. Mit Schrecken erinnere ich mich zum Beispiel an die Zeit, als die neue Datenschutz-Grundverordnung unsere Vereinswelt in Aufruhr versetzte. Eine Regelung, die eigentlich dafür sorgen sollte, dass datensammelnde Großkonzerne in ihrem Handeln eingeschränkt werden, hat hauptsächlich kleine Firmen, aber auch unsere gemeinnützigen Vereine und Verbände in Schwierigkeiten gebracht. Wenn man Jugendarbeit macht oder in empfindlichen Naturräumen agiert, so wie wir es tun, muss man mittlerweile jede Handlung genauestens überprüfen und hinterfragen. Die Fallstricke sind zahlreich und das Netz ist eng gespannt. Theorie und Praxis driften immer weiter auseinander.

Wer kann all das noch ehrenamtlich leisten – wer übernimmt noch die Verantwortung? Das ist bei vielen Vereinen ein Problem. Der LSFV versucht dabei zu helfen. Unser Geschäftsführer Robert Vollborn hatte auch im Jahr 2021 zahlreiche Anfragen von Vereinen, die bei rechtlichen Themen Beratung brauchten. Unser Bundesverband DAFV bietet mittlerweile den Mitgliedern eine Rechtschutzversicherung (siehe DAFV-Internetseite). Auch beim Landesverband fressen Verordnungen und Bestimmungen immer mehr Zeit. Jeden Tag beschäftigen wir uns leider auch mit solchen Dingen.

Ein kleines Beispiel dafür erleben wir am Westensee. Aufgrund der Beschwerde einer Anwohnerin müssen wir die Parkfläche in Langnis umlegen. Die Stellfläche bestand seit über 50 Jahren und lag an einem Ort, der die Natur und die Optik am See wenig gestört hat. Da wir Angler beim Parken nun plötzlich angeblich zu laut sind, müssen wir ausweichen. Umweltverträglichkeitsprüfung, mehrere Lärmschutzgutachten, diverse Baupläne, eine neue Rettungsdienst-taugliche Zufahrt, der Traufabstand zum naheliegenden Wald, der 50 m Streifen zum Ufer und sehr viele andere Details sind zu beachten und zu bearbeiten. Das Ganze füllt mittlerweile mehrere Aktenordner. Alles muss rechtlich sicher sein und seine Ordnung haben, aber manchmal kann man auch an dem bürokratischen Wust verzweifeln. Nachdem wir nun alle erforderlichen Vorarbeiten geleistet und alle Gutachten und Pläne zusammengetragen haben, werden wir Anfang 2022 erneut einen Bauantrag stellen. Wir hoffen, zum Saisonstart wieder über eine Parkfläche in Langnis zu verfügen.

Beim Bau der barrierefreien Angelplätze geht es uns häufig ähnlich wie am Westensee. Der eigentliche Bau der Plattformen ist nicht das große Problem. Die Absprachen mit allen Beteiligten, die Planung und das Einholen der erforderlichen Genehmigungen kosten ungleich mehr Zeit und Energie. Was meinetwegen in Nordfriesland für Baubehörde oder Untere Naturschutzbehörde als gut und richtig gilt, muss noch lange nicht in anderen Landesteilen zutreffen. Das klingt verwunderlich – aber es ist so. Dinge werden an verschiedenen Orten und von verschiedenen Personen unterschiedlich ausgelegt und behandelt, und da müssen wir dann mit viel Mühe durch. Wir werfen die Flinte aber nicht ins Korn, und mittlerweile sind 16 dieser Plätze fertig und Anfang des nächsten Jahres werden die nächsten vier nach langer Planung gebaut. Wir sind mit diesem Projekt ein Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit und haben mit Sabine Hübner eine großartige Expertin im Team, die hartnäckig die Sache vorantreibt. Gebaut werden diese Plätze mit großer ideeller und finanzieller Unterstützung unseres Bundeslandes. Sogar aus anderen europäischen Ländern erhalten wir viel Anerkennung, Lob und Nachfragen. Wer sonst bietet schon ein solches flächendeckendes, barrierefreies Angebot für Freizeit in der Natur? Alles das geht nur in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Angelvereinen und den Kreisverbänden, und auch dieses Projekt zeigt auf, dass wir als Angler wichtig für das soziale Miteinander im Land sind.

Seit langer Zeit ist der LSFV beliehener Träger des Landes für die Durchführung der Fischereischeinprüfung. Wir haben uns dabei streng an die Vorgaben aus dem Ministerium zu halten. Früher waren Präsenzkurse die einzige Möglichkeit, um sich gut auf die Prüfung vorzubereiten. Das konnten nur wir als großer Verband flächendeckend anbieten, immer in Zusammenarbeit mit den Vereinen und den Koordinatoren der Kreisverbände. Das haben wir über all die Jahre in sehr guter Qualität hinbekommen. Aber die Zeiten ändern sich rasant – heute ist die Online-Ausbildung ebenfalls eine Möglichkeit, die immer häufiger genutzt wird. Nach wie vor halten wir die Präsenzausbildung vor Ort für die beste Methode. So entsteht auch gleich ein Kontakt zu den Angelvereinen, und ein regionaler Bezug wird hergestellt. Damit diese Form der Ausbildung weiterhin attraktiv und zeitgemäß bleibt, müssen wir ständig über die Aktualisierung und Verbesserung unserer Kurse nachdenken. Es muss spannend sein und Spaß machen, wenn man unsere Lehrgänge besucht, auch für Kinder und Jugendliche. Daran müssen wir ständig arbeiten. Die Ausbildung vermittelt viel Wissen, aber wir werden in der kurzen Lehrgangszeit auch niemanden zum Fischereibiologen ausbilden. Das kann auch nicht das Ziel sein – die Prüfung muss von zwölfjährigen Kindern zu bestehen sein.

Nadine Sydow, unsere neue Vizepräsidentin für diesen Bereich, im Bild an der Schwentine beim Videodreh für Fishing-King, hat also eine schwierige und umfangreiche Aufgabe übernommen, und ich bitte alle „alten Hasen“ sie nach Kräften zu unterstützen. Wie schon gesagt, es gibt Vorgaben und Regeln des Landes. Es ist jedem Interessierten völlig freigestellt, wo und wie er sich ausbilden lässt – in Präsenz prüfen müssen wir als beliehener Träger alle, die es wünschen. In der Coronazeit hat es uns sehr geholfen, dass wir schon vor langer Zeit die Online-Ausbildung mit unserem Partner Fishing-King angeschoben haben. Das war seinerzeit umstritten, aber es hat sich bewährt. Fishing-King ist in unseren Augen ein sehr guter Anbieter mit dem wir gerne zusammenarbeiten, aber es gibt auch andere auf diesem immer größer werdenden Markt.

Ebenfalls umstritten war zuerst unser Online-Erlaubnisscheinverkauf über die Firma Hejfish, aber auch das hat sich, gerade in Zeiten der Pandemie, bestens bewährt. In diesem November wurde in Zusammenarbeit mit Hejfish weiter an dem komplexen Verkaufssystem getüftelt. So wird es auch 2022 jedem möglich sein, problemlos, schnell und zu jeder Zeit an seine Angelerlaubnisscheine zu kommen. Gerade für NOK, Elbe und den ELK wird dieser Service gerne in Anspruch genommen. Lange war es für diese Gewässer nicht möglich, die Scheine online anzubieten. Unser Vertragspartner dort ist die Bundesbehörde WSV, und es bestehen sehr hohe Anforderungen in Bezug auf Abrechnungs- und Datensicherheit. Hejfisch konnte überzeugende Konzepte vorlegen, und hat es so ermöglicht, dass auch für diese wichtigen Angelgewässern online Buchungen möglich sind.

Die Bemühungen um unsere Gewässer und Fischarten wie Aal, Meerforelle, Lachs, Schlammpeitzger, Elritze und viele andere Arten haben wir natürlich auch 2021 fortgesetzt. Wer über die Weihnachtstage Zeit und Lust hat, kann sich gerne durch unsere Internetseite scrollen und wird viele Berichte über diese Aktionen finden. Unsere Biologen Rüdiger Neukamm und Dr. Mattias Hempel, unser Fischreiberater Marius Behrens und unsere FÖJ Kraft Jonathan haben sich wieder mit riesigem Einsatz und großer fachlicher Kompetenz um unsere Gewässer gekümmert.

Rund um diese Projekte haben wir wieder große Mengen an Fördergeldern bekommen, die punktgenau und fristgerecht verwaltet und abgerechnet werden müssen. Im Frühjahr 2021 haben wir die komplette Technik in der Geschäftsstelle erneuert und umgestellt. Auch aus Sicherheitsgründen war das notwendig und schon lange überfällig. Unsere neue Internetseite wird nun am Ende des Jahres fertig sein. Rund um die unzähligen Vorgänge, die im Laufe eines Jahres bei uns zu bearbeiten sind und die kaum einer sieht, kümmert sich unser Geschäftsstellenteam. Susanne Schramm, Silke Fischer, Martin Höppner und Geschäftsführer Robert Vollborn haben diese umfangreichen Aufgaben im vergangenen Jahr wieder großartig gemeistert – auch dafür ein ganz großes Dankeschön! Das gilt natürlich auch für meine ehrenamtlichen Kollegen beim LSFV, die Vizepräsidenten und Referenten. Man bekommt nie alles fehlerfrei hin, und man wird in einem so großen Verband nie alle zufriedenstellen, aber ich glaube, wir haben unser LSFV-Dickschiff unaufgeregt und sicher durch diese schwierige Zeit gesteuert. Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch im Jahr 2022 gemeinsam hinbekommen!

Abschließend wünsche ich allen Mitgliedern, Förderern und Freunden unseres Verbandes ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr 2022.

Peter Heldt

Nach 2020 ist nun auch 2021 anders verlaufen, als wir es erhofft haben. Zwar fanden wieder Aal-, Elritzen-, Salmoniden- und Schlammpeitzger-Schutzprojekte statt, der LSFV hat zu Gesetzesvorhaben Stellung genommen, Pressearbeit geleistet, Verbindungen zu benachbarten Landesverbänden und zum DAFV gepflegt oder sein Bruthaus renoviert. Aber Veranstaltungen, die bei vielen Vereinen von großer Bedeutung sind, mußten wie schon im Jahr zuvor sehr eingeschränkt werden. Die LSFV-Jahreshauptversammlung fiel dabei genau in eine Zeit, in der ein Zusammentreffen möglich war.

Nun stehen das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel bevor. Wie schon vor zwölf Monaten hoffen wir, daß das kommende Jahr besser ausfällt, daß nicht mehr Diskussionen um Infektionsrisiken, Krankheitsverläufe und Schutzimpfungen unseren Alltag beherrschen. Anglerinnen und Angler sollen wieder Gemeinschaftsveranstaltungen, Jugendfreizeiten, Aus- und Fortbildungen und erfolgreichen Laichfischfang genießen.

Der LSFV wünscht allen Mitgliedern seiner Vereine sowie allen Freunden der Fischerei ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 2022.

Die LSFV-Geschäftsstelle ist in der Zeit vom 22. Dezember 2021 bis zum 3. Januar 2022 geschlossen. Erlaubnisscheine für LSFV-Gewässer sind aber, wie gewohnt, hier online erhältlich.

Aus Brüssel wird heute (14.12.2021) gemeldet, dass sich die EU-Fischereiminister auf eine Fortführung des dreimonatigen Aalfangverbotes am Meer geeinigt haben, aber kein Aalfangverbot an Binnengewässern erlassen. weiterlesen

Vom 6. bis 11. September 2021 fanden die jährlichen Fischbestandserhebungen in der Elbe im Bereich Geesthacht bis stromauf von Lauenburg statt. Diese werden bereits seit 2009, im vom LSFV Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Anglerverband Niedersachsen und der Fischerei Panz gepachteten Elbabschnitt (Abbildung 1), durchgeführt. Ziel der regelmäßig durchgeführten Befischungen ist es, mögliche Veränderungen des Fischbestandes frühzeitig zu erkennen und zu dokumentieren. Von besonderem Interesse sind zurzeit die Entwicklung des Aalbestandes im Kontext der durchgeführten Besatzmaßnahmen, die Bestandsdynamik der beiden vorkommenden Grundelarten (Schwarzmundgrundel und Kessler-Grundel) sowie der Erhaltungszustand der vorkommenden FFH-Arten (Bitterling, Neunauge, Rapfen, Steinbeißer und Stromgründling).

Während die Befischungen in den letzten Jahren überwiegend bei niedrigen Wasserständen durchgeführt werden konnten, zeigte sich die Elbe diesmal von ihrer anderen Seite. Nach ergiebigen Regenfällen im oberen Einzugsgebiet lag der Wasserstand etwas ein Meter über dem Mittelwasser und die Strömungsgeschwindigkeit war ungewöhnlich hoch. Viele Sandbänke und Buhnenköpfe konnten daher nicht wie gewohnt befischt werden. In den Buhnenfeldern selbst reichte das Wasser teils bis weit in die Schilfbestände hinein, so dass Teile der dadurch uferwärts verschobenen Flachwasserbereiche kaum zu erreichen waren. Trotzdem konnten aber alle Elektro- und Stellnetzbefischungen wie geplant, größtenteils bei wunderbarem Spätsommerwetter, durchgeführt werden.

Abbildung 1: Abendstimmung an der Elbe stromauf von Lauenburg. Das Stellnetz für die Nachtbefischung wurde bereits ausgebracht und die Elektrobefischung startet sobald es vollständig dunkel ist.

Gefangen wurden bei der diesjährigen Bestandserhebung insgesamt 7.048 Fische aus 27 Arten mit einem Gesamtgewicht von fast 300 kg (Tabelle 1). Die mit Abstand häufigste Art war die Schwarzmundgrundel. Vor allem die Steinschüttungen waren dicht von den Grundeln besiedelt. Weitere häufige Arten im Gesamtfang waren Plötze, Ukelei, Aal, Flussbarsch, Aland und Rapfen.

Tabelle 1: Ergebnisse der Fischbestandserhebung 2021 in der Elbe zwischen den Landesgrenzen von Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg

Das bei einigen Arten vergleichsweise hohe Gesamtgewicht war wie schon in den Vorjahren auf die zwei nachts durchgeführten Stellnetzhols zurückzuführen. Diesmal wurden dabei vor allem große Brassen mit Körperlängen bis 60,5 cm gefangen. Aber mit fast 95 kg machten auch die 634 bei den Elektrobefischungen erfassten Aale einen sehr großen Gewichtsanteil aus. Große Aale mit Längen bis 80 cm fanden sich häufig im Fang (Abbildung 2). Der Aalbestand hat sich insgesamt in den letzten Jahren positiv entwickelt (Tabelle 2). Die Ursache dafür sind sehr wahrscheinlich die umfangreichen Besatzmaßnahmen, die in der Elbe oberhalb von Geesthacht durchgeführt wurden.

Abbildung 2: Aale mit Längen von 76 und 80 cm aus der Elektrobefischung eines Buhnenfeldes bei Avendorf

Tabelle 2: Anzahl und Gewicht der seit 2009 bei den jährlichen Fischbestandserhebungen gefangenen Aale

Die Bestandsdichte der eingeschleppten Schwarzmundgrundel ist auf hohem Niveau stabil. Seit 2017 wurden bei unseren Befischungen stets mehr als 1.000 Individuen gefangen. Im Vergleich zum Vorjahr, in dem über 3.500 Schwarzmundgrundeln gefangen wurden, hat sich die Anzahl allerdings halbiert. Auffallend war, dass der Anteil von Tieren mit offenen Geschwulsten deutlich abgenommen hat. Möglicherweise ist das Auftreten dieser Krankheit in der Elbe abhängig von der jeweiligen Bestandsdichte.

Die Kessler-Grundel hingegen, als zweite nicht heimische Grundelart, kommt zwar auch bereits seit mindestens 2015 in der Elbe im untersuchten Gebiet vor, konnte aber vermutlich aufgrund der Konkurrenz zur Schwarzmundgrundel bisher keinen dichten Bestand aufbauen. Beide „neuen“ Grundeln stellen eine lohnende Nahrungsquelle für die in der Elbe vorkommenden Raubfische (Zander, Barsch, Aal, Rapfen, Hecht, Wels und Quappe) dar. Negative Auswirkungen auf andere Fischarten konnten an der Elbe im befischten Bereich bisher nicht nachgewiesen werden. Die Häufigkeit möglicher Beutearten oder konkurrierender Arten wie Gründling und Steinbeißer scheint stabil zu sein. Diese nutzen mehr die flachen, sandigen Bereiche der Buhnenfelder, während die Grundeln eher in den Steinschüttungen zu finden sind.

Im Vergleich zu den Befischungen im Vorjahr wurden nur wenige Zander nachgewiesen. Da die Fangmeldungen der Angler weiterhin auf einen guten Bestand der Art hindeuten, vermuten wir, dass sich lediglich die Standplätze der Fische aufgrund des hohen Wasserstandes etwas verlagert hatten. Das größte von uns gefangene Exemplar hatte eine beachtliche Länge von 83,5 cm, aber auch Zander aus dem Jahrgang 2021 waren im Fang vertreten. Die Anzahl der gefangenen Hechte war wie schon im Vorjahr relativ gering. Hier vermuten wir weiterhin, dass sich das Gleichgewicht bei den Raubfischen aktuell ein wenig mehr zum Zander hin verschoben hat.

Neben Rapfen und Steinbeißer wurde als dritte FFH-Art der Bitterling nachgewiesen. Jeweils einige wenige Tiere wurden im Lauenburger Kanalhafen und in den Buhnenfeldern bei Stromkilometer 577 gefangen. Verbreitungsschwerpunkt der Art war in den letzten Jahren stets ein Brack beim Campingplatz Hohes Elbufer in Tesperhude. Dies wurde 2021 bei den Befischungen bewusst ausgespart, um die Bitterlingspopulation nicht unnötig zu stören. Auch Karpfen aus dem Jahrgang 2021 (Abbildung 3 links) wurden in den an das Brack angrenzenden Bereichen gefangen. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass sich die Karpfen dort auch dieses Jahr wieder selbstständig vermehren konnten. Hinweise auf eine erfolgreiche Reproduktion gab es auch bei der Zope. Nachdem in den Vorjahren stets nur große Zopen nachts mit den Stellnetzen gefangen werden konnten, wurden 2021 auch junge Zopen (Abbildung 4 rechts) bei den Elektrobefischungen erfasst.

Abbildungen 3, 4: Nachwuchs aus 2021 von Karpfen (links) und Zope (rechts) aus den Elektrobefischungen in der Elbe nahe Lauenburg

Die Anzahl der bei den jährlichen Befischungen nachgewiesenen Quappen war in den letzten Jahren sehr niedrig. Möglicherweise hat die Art, die bei der Eiablage niedrige Temperaturen benötigt, durch die vermehrt warmen Winter Probleme bei der Reproduktion. Einige Quappen aus dem Jahrgang 2021 konnten jedoch gefangen werden und es gibt die Hoffnung auf zukünftig wieder stärkere Jahrgänge.

Nicht gefangen wurden in diesem Jahr Stromgründlinge und Neunaugen beziehungsweise Neunaugenquerder. Die Art Stromgründling hält sich eher in der Strommitte großer Flüsse auf und hat daher auch ihren Namen erhalten. In der Vergangenheit wurden Stromgründlinge aber teils häufig bei den Nachtbefischungen in den Buhnenfeldern gefangen. Warum dies in den letzten Jahren nicht mehr gelingt, ist unklar. Viele Exemplare der Art wurden zuletzt im Jahr 2019, bei Befischungen mit feinmaschigen Ringnetzen zur Erfassung von Fischlarven, gefangen. Die Dichte lag 2019 bei bis zu ca. 13 Tieren je 100 m3 Wasser.

Insbesondere bei den Neunaugen scheinen die Bestände stark abgenommen zu haben. Bezogen auf das Flußneunauge liegen die möglichen Gründe dafür in der aktuellen Elbvertiefung und in der eingeschränkten Durchgängigkeit am Wehr Geesthacht. Die Fischaufstiegsanlage auf der Südseite ist seit 2019 außer Betrieb und an der Anlage auf der Nordseite gab es seitdem zumindest zeitweise Probleme mit der Lockströmung, die die Fische zum Einstieg in die Fischaufstiegsanlage leiten soll. In welchem Umfang dies insgesamt den Fischaufstieg beeinträchtigt ist nicht bekannt, und wird sich auch nicht ohne Weiteres feststellen lassen. Klar ist hingegen, dass nach wie vor keine ausreichende Durchgängigkeit am Wehr besteht. Hierfür bedarf es an beiden Uferseiten großer, leistungsfähiger Fischaufstiegsanlagen, deren Einstiege leicht zu finden sind und die sich aufgrund ihrer jeweiligen Bauweise so ergänzen, dass sie in Kombination für alle vorkommenden Fischarten geeignet sind. An diesem Ziel müssen wir weiterhin festhalten, auch wenn es zurzeit nicht so aussieht, als ob es sich kurzfristig erreichen lässt.