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Johannes Radtke | 24.06.2022

Vergangene Woche besuchte uns Prof. Dr. Holger Gerth, der Landesnaturschutzbeauftragte für Schleswig-Holstein. Der passionierte Naturschützer versteht seine Position als Bindeglied zwischen den verschiedenen Naturschutz-Zusammenschlüssen und den Naturnutzern im Land. Als einer der größten Naturschutzvereine Schleswig-Holsteins ist der LSFV natürlich ein wichtiger Partner. Gerade unser Haupt-Arbeitsbereich am Übergang zwischen Wasser und Land sorgt für sehr viele Berührungspunkte mit Wasser- und Bodenverbänden, Behörden und Landeigentümern. Man kann wohl sagen, dass wir inzwischen Profis geworden sind, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen und im Sinne aller Einigungen zu erzielen. Doch natürlich gibt es im Rahmen unserer Arbeit, oft für unsere Mitgliedsvereine, auch immer wieder Kontakt-Barrieren, beispielsweise wenn es um die Schaffung von Uferrandstreifen an Fließgewässern und den Austausch mit der Landwirtschaft geht. Hier kann der Landesnaturschutzbeauftragte uns auch in Zukunft natürlich eine wertvolle Hilfe sein.

Naturschutz unter der Wasseroberfläche

Die LSFV-Teichanlage in LAngwedel ist Zentrum unseres Artenschutzes. Hier werden gerade Schlammpeitzger-Brütlinge aus den Brutrinnen für den Besatz bereit gemacht.

Die LSFV-Teichanlage in Langwedel ist Zentrum unseres Artenschutzes. Hier werden gerade Schlammpeitzger-Brütlinge aus den Brutrinnen für den Besatz bereit gemacht. Foto: LSFV SH

Nicht selten stimmen die Schutzbedürfnisse von Fischen nicht mit den Bedürfnissen anderer Tiere überein. In der Konsequenz unterscheiden sich auch einige Naturschutzvereine in ihren Schutzzielen. Hier werden wir auch in Zukunft eng mit Holger Gerth zusammenarbeiten, um die Interessen der Fische und Angler zu vertreten und an Kompromissen mit anderen Naturschützern zu arbeiten. Wir sprachen mit ihm über unsere Artenschutz-Projekte und das besondere Schutzbedürfnis einiger seltener Fischarten im Lande. Unsere idyllische Teichanlage in Langwedel war der optimale Rahmen: Hier wachsen in den kleinen Erdteichen junge Schlammpeitzger für den Artenschutz heran. Sie werden im Herbst ins Gewässernetz der Haaler Au gesetzt. Nur ein paar Tage zuvor war der größte Teil von ihnen schon als winzige Brütlinge in die Freiheit entlassen worden (Link). In den größeren Teichen vermehren sich unsere Eltern-Karpfen jedes Jahr und sorgen so für gesundes, selbst erzeugtes Besatzmaterial für einige Verbandsgewässer.

Junge Karpfen zeihen dicht unter der Oberfläche unseres Aufzuchtteiches umher.

Neben seltenen Arten für den Naturschutz wachsen in Langwedel auch tausende junger Karpfen für den späteren Besatz in einige der LSFV-Gewässer heran. Hier produzieren wir unser eigenes, gesundes Besatzmaterial. Foto: LSFV SH

Gesunde Gewässer machen glückliche Angler

Experten im Gespräch: LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn, unser Biologe und Vizepräsident für Tier- und Umweltschutz, Präsident Peter Heldt, Landesnaturschutzbeauftragter Holger Gerth und Vizepräsident für Fischereischeinwesen Joachim Witt fachsimpeln über konkurrierende Schutzinteressen verschiedener Naturschutzvereine.

Experten im Gespräch: LSFV-Geschäftsführer Robert Vollborn, unser Biologe und Vizepräsident für Tier- und Umweltschutz Rüdiger Neukamm, Präsident Peter Heldt, Landesnaturschutzbeauftragter Holger Gerth und Vizepräsident für Fischereischeinwesen Joachim Witt fachsimpeln über konkurrierende Schutzinteressen verschiedener Naturschutzvereine. Foto: LSFV SH

Der Naturschutzbeauftragte war positiv überrascht von den Artenschutzprogrammen für Fischarten, die keinerlei anglerische Bedeutung haben. Für uns ist die Sache aber ganz einfach: Wir Angler wollen an gesunden Gewässern in einer intakten Natur angeln. Das schließt mit ein, dass wir uns auch um den Teil der Natur kümmern, den wir nicht direkt nutzen. Egal ob die sturztauchende Seeschwalbe, die überm Wasser schwebende Eintagsfliege oder der vor uns verborgene Schlammpeitzger – je intakter das Gesamtsystem Gewässer ist, desto schöner ist unser Angelerlebnis, desto glücklicher ist der Angler. Diesen Ansatz Holger Gerth zu vermitteln, war unser Anliegen. Und am Ende seines Besuches, da sind wir sicher, hat er genau dies auch mitgenommen.

wp_admin_lsfh | 13.06.2022

In diesem Frühjahr konnten wir die Schlammpeitzger-Vermehrung mehr als nur fortführen – die Saison 2022 ist bisher ein großer Erfolg!

Unser Geoökologe Dr. Mattias Hempel beschäftigt sich schon seit geraumer Zeit mit dem Schlammpeitzger. Über die Vermehrung und Aufzucht dieser heimlichen Fischart war kaum etwas bekannt. Inzwischen ist Mattias jedoch ein echter Fachmann. In einem Erfahrungsbericht (LINK) erklärt er, wie er vorging und was bedacht werden musste. Durch gutes Timing, eine aufopferungsvolle Hege und die Hilfe unseres LSFV FÖJlers Jonathan Neukamm konnte er in diesem Jahr eine Rekordzahl von Brütlingen heranziehen.

Ein vollgefressener junger Schlammpeitzger, erkennbar am von den Artemien rötlich gefärbten Bauch. Zurückhaltende Kostverächter sind die Jungfische nicht. Selbst direkt nach dem Umsetzen in eine Wasserschüssel für dieses Foto fraßen sie ungehemmt weiter.

Ein vollgefressener junger Schlammpeitzger, erkennbar am von den Artemien rötlich gefärbten Bauch. Zurückhaltende Kostverächter sind die Jungfische nicht.
Selbst direkt nach dem Umsetzen in eine Wasserschüssel für dieses Foto fraßen sie ungehemmt weiter. Foto: LSFV SH

 

Kooperative Schlammpeitzger-Eltern

Dass es ein gutes Jahr für die Schlammpeitzger sein würde, zeigten die Elternfische schon zu Beginn der Laichphase. Die Fische leben bereits seit einigen Jahren in der LSFV-Teichanlage in Langwedel und kommen in den kleinen Erdteichen offensichtlich bestens zurecht. Bei einer ersten Kontrolle der Elterntiere mittels Reuse stellten Mattias und unser FÖJler Jonathan Anfang Mai überrascht fest, dass bereits ein Teil von ihnen in den Teichen abgelaicht hatte. Leider bleibt von dieser natürlichen Brut nie etwas übrig – Schlammpeitzger-Eltern machen sich oft selbst über die abgelegten Eier her, zudem gibt es andere Fische, die die winzige Brut gern fressen. Im Nachbarteich waren die Elternfische zum Glück noch nicht ganz so weit, standen aber auch kurz vor dem Ablaichen. So musste Mattias nur wenige Pärchen in eigens dafür vorbereitete Aquarien setzen und abwarten. Die Fische ließen sich kaum Zeit und laichten bereits kurz danach an den dafür vorgesehenen Laichbürsten ab. Nach wenigen Tagen schlüpften die Larven und Mattias konnte sie in die Brutrinnen im Keller des Häuschens bringen.

Gut befüllte Brutrinnen für Schlammpeitzger. Hier schwimmen 25.000 Brütlinge!

Die Brutrinnen im Keller der LSFV-Anlage in Langwedel: dies war drei Wochen lang die Heimat der heranwachsenden Schlammpeitzger. Foto: LSFV SH

 

Intensive Pflege der Schlammpeitzger

Erst in den Brutrinnen ließ sich nun erahnen, wie viele Jungfische diese Brutsaison hervorbringen würde. Auch wenn sich die Anzahl der Winzlinge recht schwer schätzen lässt, war Mattias sicher, dass es eine deutliche Steigerung zum Vorjahr und allen vorangegangenen Jahren sein würde – wenn nichts schief ginge!

Schlammpeitzger reagieren im Vergleich zu Brütlingen anderer Arten nicht besonders empfindlich auf Wasserparameter wie Sauerstoff, Stickstoff und Temperatur. Dennoch muss wie bei allen Jungfischen mit Argusaugen auf jeden Einfluss geachtet werden. Füttern, tote Fische entfernen, Wasserparameter checken … Mattias und Jonathan waren in den drei Wochen nach dem Schlupf jeden Tag bei ihren Schützlingen.

Makro-Aufnahme von Schlammpeitzger-Brütlingen, die Artemien fressen.

Wie kleine Staubsauger saugen die jungen Schlammpeitzger gierig eine Artemie nach der anderen ein. Die rötliche Färbung des Bauches zeigt, dass sie schon ein paar der Krebstierchen gefressen haben.
Foto: LSFV SH

Recht schnell entwickeln die winzigen Fische einen gesunden Appetit und so mussten sie mehrfach täglich mit Artemien (LINK) gefüttert werden. Die roten Krebstierchen lassen übrigens den Bauch der Fischlarven rot erstrahlen, ein sicheres Zeichen, dass sie gut gefressen haben. Insbesondere die bedarfsgerechte Fütterung erfordert Fingerspitzengfühl und viel Einsatz. Letztlich hat sich dieser Aufwand aber mehr als gelohnt und beide Brutrinnen wimmelten nur so vor Mini-Schlammpeitzgern. Eines war jetzt schon sicher: 2022 ist ein Rekordjahr für das Schlammpeitzger-Projekt.

LSFV-Ökologe Mattias Hempel keschert Schlammpeitzger-Brut aus den Brutrinnen.

Da die Brut nur wenige Millimeter groß ist, muss sie mit Vorsicht gefangen werden. Mattias besitzt die nötige Ruhe und Routine um die flinken Schlammpeitzger schonend zu fangen.
Foto: LSFV SH

Besiedelung durch Besatz

Ungefähr drei Wochen nach dem Schlupf ging es an den Besatz der Fische – denn das ist der Grund für all den Aufwand! Die jungen Schlammpeitzger sollen den Bestand dieser inzwischen sehr selten gewordenen Art bei uns im Norden sichern und möglichst auch aufbauen. Im Bericht zum Schlammpeitzgerbesatz (LINK) des letzten Jahres könnt ihr lesen, warum es überhaupt nötig ist, etwas für diese Fischart zu tun. In aller Kürze: Der Schlammpeitzger hat es nicht leicht. Seinen eigentlichen Lebensraum, allmählich verlandende Altarme, gibt es nicht mehr und der Ausweich-Lebensraum bei uns im Norden sind die flachen Entwässerungsgräben der Niederungen. Dort würde er eigentlich ganz gut zurechtkommen, doch intensive Gewässerunterhaltung bedroht ihn in diesem Gewässertyp vielerorts. Hier und dort gibt es jedoch Graben-Lebensräume, die sich auch heute noch eignen.

So sieht ein Schlammpeitzger-Gewässer aus: viel Deckung, flaches Wasser, geringe Tiefe und wenig andere Fischarten.

So sieht ein gutes Schlammpeitzger-Gewässer aus: viel Deckung, schlammiger Boden, geringe Tiefe und wenig andere Fischarten. Im Bereich der Haaler Au finden sich viele solcher Seitengräben.
Foto: LSFV SH

Guter Lebensraum im Haaler Au-System

Unsere Biologen haben sich für das weitverzweigte Gewässersystem der unteren Haaler Au als Pilotgewässer für den Start des Schlammpeitzger-Projektes entschieden. Hier gibt es eine Vielzahl kleiner Seitengräben, in denen aufgrund hoher Wassertemperaturen und niedriger Sauerstoffgehalte im Sommer nur wenige andere Fische leben. Das ist ideal für den Überlebenskünstler Schlammpeitzger (siehe unten ⇒ Steckbrief Schlammpeitzger), der genau in solchen Lebensräumen gut zurechtkommt. Dabei hilft ihm die Fähigkeit, Sauerstoff aus der Luft zu nutzen. Dadurch hat er einen Vorteil gegenüber den übrigen Fischarten, denen es in den kleinen Gräben tagsüber zu warm und nachts zu sauerstoffarm wird. Das Problem ist, dass diese kleinen Refugien oft recht isoliert voneinander im Land verteilt sind. Deshalb helfen wir dem Schlammpeitzger, an möglichst vielen dieser Orte Fuß zu fassen. Stabile Bestände in diesen Gräben würden auf lange Sicht auch dafür sorgen, dass neue Lebensräume von dort aus besiedelt werden könnten, ohne dass der Mensch helfen müsste.

Über 25.000 Schlammpeitzger

Gezählt, nicht geschätzt!

 

Für die Zählung werden die Brütlinge der Schlammpeitzger in kleine Aquarien gesetzt. Anhand standartisierter Fotos und späterer Auszählung am Computer lässt sich die Menge ziemlich exakt bestimmen.

Für die Zählung werden die Brütlinge der Schlammpeitzger in kleine Aquarien gesetzt. Anhand standardisierter Fotos und späterer Auszählung am Computer lässt sich die Menge ziemlich exakt bestimmen.
Foto: LSFV SH

Vor dem Besatz versucht Mattias einen Überblick über die ungefähre Anzahl der Schlammpeitzger zu bekommen. Dafür werden die Fische ungefähr zu gleichen Teilen in kleine Aquarien gefüllt, ein Foto gemacht und die Anzahl später am Rechner ermittelt. Einen Teil der Fische setzt er mit Unterstützung der lokalen Angelvereine direkt ins System der Haaler Au, die restliche Brut streckt er in drei kleinen Teichen unserer Anlage in Langwedel vor. Die vorgestreckten Schlammpeitzger werden dann im Herbst ins gleiche Gewässersystem gesetzt. Durch diese Aufteilung will Mattias das Risiko eines Totalausfalls verringern. Aufgrund der Extremlebensräume ist auch in freier Wildbahn davon auszugehen, dass es in manchen Jahren an einigen Gewässerstrecken immer mal wieder zu Ausfällen der Brut kommt. Durch den zweiteiligen Besatz wird sichergestellt, dass mindestens ein Teil des Besatzes überlebt.

Unterstützung vom Land und den Vereinen

Der Präsident Hans-Jürgen Musfeldt vom ASV Lütjenwestedt setzt junge Schlammpeitzger in einen Seitengraben der Haaler Au.

Der Präsident Heiko Sperzel vom ASV Breiholz-Haale setzt junge Schlammpeitzger in einen Seitengraben der Haaler Au.
Foto: LSFV SH

Doch zurück zum Besatz: durch gutes Timing und die intensive Pflege der Brut konnte Mattias mit über 15.000 Brütlingen an die Haaler Au starten. Nochmal fast 10.000 Brütlinge setzte er in die Aufzuchtteiche in Langwedel – über 25.000 junge Schlammpeitzger für unser Land!

Gefördert durch die Fischereiabgabe

Bei dem Besatz begleiteten ihn Martin Purps und Jennifer Klees vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Das LLUR ist für die Förderung des Schlammpeitzger-Projektes aus der Fischereiabgabe Schleswig-Holsteins (Externer LINK zu pdf) verantwortlich. Außerdem waren die Präsidenten der jeweils hegepflichtigen Vereine dabei. Hans-Jürgen Musfeldt vom ASV Lütjenwestedt und Heiko Sperzel vom ASV Breiholz-Haale unterstützen den LSFV mit Ortskenntnissen und auch praktisch beim Besatz der Jungfische.

Den Schlammpeitzger-Besatz begleiteten Martin Purps und Jennifer Klees vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Das LLUR ist für die Förderung des Projektes aus der Fischereiabgabe Schleswig-Holsteins verantwortlich. Außerdem waren die Präsidenten der jeweils hegepflichtigen Vereine dabei. Im Bild: Hans-Jürgen Musfeldt vom ASV Lütjenwestedt.

Den Schlammpeitzger-Besatz begleiteten Martin Purps und Jennifer Klees vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Das LLUR ist für die Förderung des Projektes aus der Fischereiabgabe Schleswig-Holsteins verantwortlich. Außerdem waren die Präsidenten der jeweils hegepflichtigen Vereine dabei. Im Bild: Heiko Sperzel vom ASV Breiholz-Haale.
Foto: LSFV SH

Später im Jahr wird eine Erfolgskontrolle an den Besatzgewässern mit dem Elektrofischerei-Gerät stattfinden – und da hoffen natürlich alle Beteiligten, ein paar der Hoffnungsträger wiederzufangen. Nächster Termin ist dann im Oktober der Besatz der in Langwedel vorgestreckten Schlammpeitzger.

Heiko Sperzel vom ASV Breiholz-Haale setzt etwa 1000 Brütlinge in einen Entwässerungsgrabemn auf der Ostseite der Haaler Au.

Auch der Präsident des ASV Lütjenwestedt, Hans-Jürgen Musfeldt, half bei der Planung und Umsetzung des Projektes mit. hier setzt er etwa 1.000 Brütlinge in einen Seitengraben auf der Westseite der Haaler Au.
Foto: LSFV SH

⇒ Steckbrief Schlammpeitzger

Der auch als Furzgrundel bekannte Fisch ist Spezialist für flache, schlammige Gewässer.

Schlammpeitzger Nahaufnahme

Foto: By Tiit Hunt, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Der maximal 30 Zentimeter lange schmerlenartige Fisch ist ein wahrer Spezialist. Flache, schlammige Gewässer sind sein Refugium. Hohe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sowie extremer Sauerstoffmangel kann er, im Gegensatz zu fast allen anderen Fischarten, gut verkraften. Sein Geheimnis: Darmatmung! Er schluckt Luft und kann den enthaltenen Sauerstoff im Darm nutzbar machen. Daher rührt auch sein Beiname „Furzgrundel“ – die Luft muss ja schließlich wieder raus. Diese Spezialfähigkeit und der Umstand, dass der Schlammpeitzger schlechte Zeiten tief im Schlamm vergraben überdauern kann, machen ihn zum oft alleinigen Bewohner von Grenz-Lebensräumen. In verlandenden Altarmen oder flachsten Gräben der Marschen findet man nicht selten nur ihn und ein paar Stichlinge.

Nicht sehr konkurrenzstark

Bei aller Spezialisierung hat der Schlammpeitzger auch Schwächen: er ist nicht sehr konkurrenzstark. Wenn andere Fische im Gewässer gut klarkommen, hat er meist das Nachsehen. Er laicht erst spät und seine kleine Brut wird häufig das Opfer anderer Fische oder von Insektenlarven. Wenn jedoch die Brut nicht gefressen wird, wächst sie im warmen, nahrungsreichen Wasser beeindruckend schnell heran. Dabei fressen die Heranwachsenden von Schnecken über Insekten so ziemlich alles, was sie bekommen können. Im frühen Herbst messen die Jungfische dann bereits bis über zehn Zentimeter. Danach flacht das Wachstum jedoch ab und mehr als 30 Zentimeter erreicht der Spezialist nicht. Das wäre im flachen Schlammtümpel ja auch nicht gerade praktisch.

 

admin | 14.03.2022

Die für den 20. März vorgesehene Sportwartetagung fällt wegen geringer Anmeldezahl und Erkrankung eines Referenten leider aus.

admin | 26.01.2022

Für Sportwarte der LSFV-Vereine liegt die Ausschreibung der Tagung 2022 vor.

admin | 21.01.2022

Seit Oktober 2021 gibt es in einigen Vereinen Verunsicherungen, weil Mitglieder vereinzelt meinen, aufgrund eines neuen Gesetzes zum Schutz von Verbrauchern monatlich die Vereinszugehörigkeit kündigen zu können.

Tatsächlich regelt das „Gesetz für faire Verbraucherverträge“ für neu abgeschlossene Verträge, die die regelmäßige Lieferung von Waren (z.B. Zeitungsabonnement) oder die regelmäßige Erbringung von Dienst- oder Werkleistungen (z.B. Fitnessstudio, Telefonvertrag) betreffen, dass diese zunächst nur für bis zu einem Jahr gelten. Bei automatischer Vertragsverlängerung erhalten Kunden ein monatliches Kündigungsrecht.

Für die ganz anders geartete Rechtsnatur einer Vereinsmitgliedschaft ändert sich hingegen nichts. Es gelten weiterhin die in der Satzung festgelegten Kündigungsfristen, oft vier Wochen oder drei Monate zum Jahresende.

admin | 17.01.2022

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein plant in der Zeit vom 15.-19.08.2022 einen Elektrofischereilehrgang durchzuführen. Der Lehrgang umfasst alle Themenbereiche mit der Abschlussprüfung „BEDIENUNGSSCHEIN“ und  ist in Niedersachsen und Schleswig-Holstein als Weiterbildungsveranstaltung nach dem Bildungsfreistellungs- und Qualifizierungsgesetz (BFQG) anerkannt.

Kosten: 320,00 Euro (Lehrgang, Prüfung und Bedienungsschein inkl. Unterrichtsmaterial, Sicherheitshandschuhe)

Unterbringung nach Bedarf im Internat der DEULA, eigene Anmeldung und Abrechnung.

Anmeldung: Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Referat Fischerei, Grüner Kamp 15-17, 24678 Rendsburg, Tel: 04331 – 9453-431 oder fischerei@lksh.de

admin | 04.01.2022

Der Jahresbericht 2021 der LSFV-Jugend ist hier veröffentlicht.

admin | 21.12.2021

Liebe Mitglieder und Freunde unseres LSFV,

heute möchte ich meinen Rundbrief mit einem großen Dank an alle Vereine und Kreisverbände beginnen. Machen wir uns nichts vor – wir befinden uns nach wie vor in schwierigen Zeiten. Aber die allermeisten Angelvereine und Verbände bei uns im Lande haben viele dieser Schwierigkeiten großartig gemeistert, obwohl das nicht einfach war. Wie verwalte ich einen Verein in solchen Zeiten – oftmals ohne Zusammenkünfte und gemeinschaftliche Abstimmung? Solche ehrenamtlichen Aufgaben waren allgemein schon schwierig, aber in Coronazeiten wurden und sind diese Dinge noch komplizierter. Es kamen sogar weitere Aufgaben hinzu.

Viele endeckten ihre alte Liebe zum Angeln wieder oder fingen an, sich für unsere Passion zu interessieren. Es drängten viele hinaus ans Wasser. Diese Menschen wollten eine Ausbildung und Aufnahme in die Angelvereine, und das musste mit allem was dazugehört unter erschwerten Pandemiebedingungen irgendwie gemanagt werden. Das wurde in ganz vielen Vereinen möglich gemacht! Dafür meinen herzlichen Dank – das hat gezeigt, wozu unsere Vereine und unsere Gemeinschaft wirklich fähig ist.

Einige stempeln Angelvereine grundsätzlich als eine Horde biertrinkender Vereinsmeier ab. Andere haben uns schon als sehr wichtigen Faktor für Umwelt und Naturschutz erkannt. In der Coronakrise haben wir einen weiteren Teil unseres Gesichts gezeigt – das soziale. Wir übernehmen wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft. 42 000 Mitglieder und die dazugehörigen Familien nutzen die Angebote, die ihnen unsere Vereine und Verbände bieten – Tendenz weiterhin steigend.

Wir ermöglichen Menschen gerade in so schwierigen Zeiten Ruhe und Entspannung an den von uns gehegten und gepflegten Gewässern zu finden. Wir erhalten diese Lebensräume artenreich und schön. Wir führen Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Schichten und Altersgruppen zusammen und bauen barrierefreie Angelplätze, um noch mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, an unserer Natur teilzuhaben. Wir leisten Jugendarbeit und vermitteln in unseren Fischereischeinlehrgängen Verständnis für die komplexen Zusammenhänge in unserer Umwelt. All das passiert unter immer schwerer werdenden Bedingungen. Dafür haben die Vereine eigentlich Wertschätzung und Dank verdient. Manchmal kommt es gefühlt aber ganz anders an.

Überall wird davon gesprochen, das Ehrenamt und die Vereine stärken zu wollen – in der Praxis sieht das leider oft ganz anders aus. Nicht genug damit, dass wir häufig mit unqualifizierten Angriffen von selbsternannten Tierschützern zu kämpfen haben. Wir erleben bei unseren anerkannt gemeinnützigen Vereinen und Verbänden einen immer größeren Zuwachs an Auflagen und Bürokratie. Übertrieben gesagt zieht jede Bratwurst, die man beim Vereinsgrillen ausgibt, einen halbtägigen Verwaltungsakt nach sich. Mit Schrecken erinnere ich mich zum Beispiel an die Zeit, als die neue Datenschutz-Grundverordnung unsere Vereinswelt in Aufruhr versetzte. Eine Regelung, die eigentlich dafür sorgen sollte, dass datensammelnde Großkonzerne in ihrem Handeln eingeschränkt werden, hat hauptsächlich kleine Firmen, aber auch unsere gemeinnützigen Vereine und Verbände in Schwierigkeiten gebracht. Wenn man Jugendarbeit macht oder in empfindlichen Naturräumen agiert, so wie wir es tun, muss man mittlerweile jede Handlung genauestens überprüfen und hinterfragen. Die Fallstricke sind zahlreich und das Netz ist eng gespannt. Theorie und Praxis driften immer weiter auseinander.

Wer kann all das noch ehrenamtlich leisten – wer übernimmt noch die Verantwortung? Das ist bei vielen Vereinen ein Problem. Der LSFV versucht dabei zu helfen. Unser Geschäftsführer Robert Vollborn hatte auch im Jahr 2021 zahlreiche Anfragen von Vereinen, die bei rechtlichen Themen Beratung brauchten. Unser Bundesverband DAFV bietet mittlerweile den Mitgliedern eine Rechtschutzversicherung (siehe DAFV-Internetseite). Auch beim Landesverband fressen Verordnungen und Bestimmungen immer mehr Zeit. Jeden Tag beschäftigen wir uns leider auch mit solchen Dingen.

Ein kleines Beispiel dafür erleben wir am Westensee. Aufgrund der Beschwerde einer Anwohnerin müssen wir die Parkfläche in Langnis umlegen. Die Stellfläche bestand seit über 50 Jahren und lag an einem Ort, der die Natur und die Optik am See wenig gestört hat. Da wir Angler beim Parken nun plötzlich angeblich zu laut sind, müssen wir ausweichen. Umweltverträglichkeitsprüfung, mehrere Lärmschutzgutachten, diverse Baupläne, eine neue Rettungsdienst-taugliche Zufahrt, der Traufabstand zum naheliegenden Wald, der 50 m Streifen zum Ufer und sehr viele andere Details sind zu beachten und zu bearbeiten. Das Ganze füllt mittlerweile mehrere Aktenordner. Alles muss rechtlich sicher sein und seine Ordnung haben, aber manchmal kann man auch an dem bürokratischen Wust verzweifeln. Nachdem wir nun alle erforderlichen Vorarbeiten geleistet und alle Gutachten und Pläne zusammengetragen haben, werden wir Anfang 2022 erneut einen Bauantrag stellen. Wir hoffen, zum Saisonstart wieder über eine Parkfläche in Langnis zu verfügen.

Beim Bau der barrierefreien Angelplätze geht es uns häufig ähnlich wie am Westensee. Der eigentliche Bau der Plattformen ist nicht das große Problem. Die Absprachen mit allen Beteiligten, die Planung und das Einholen der erforderlichen Genehmigungen kosten ungleich mehr Zeit und Energie. Was meinetwegen in Nordfriesland für Baubehörde oder Untere Naturschutzbehörde als gut und richtig gilt, muss noch lange nicht in anderen Landesteilen zutreffen. Das klingt verwunderlich – aber es ist so. Dinge werden an verschiedenen Orten und von verschiedenen Personen unterschiedlich ausgelegt und behandelt, und da müssen wir dann mit viel Mühe durch. Wir werfen die Flinte aber nicht ins Korn, und mittlerweile sind 16 dieser Plätze fertig und Anfang des nächsten Jahres werden die nächsten vier nach langer Planung gebaut. Wir sind mit diesem Projekt ein Vorreiter in Sachen Barrierefreiheit und haben mit Sabine Hübner eine großartige Expertin im Team, die hartnäckig die Sache vorantreibt. Gebaut werden diese Plätze mit großer ideeller und finanzieller Unterstützung unseres Bundeslandes. Sogar aus anderen europäischen Ländern erhalten wir viel Anerkennung, Lob und Nachfragen. Wer sonst bietet schon ein solches flächendeckendes, barrierefreies Angebot für Freizeit in der Natur? Alles das geht nur in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Angelvereinen und den Kreisverbänden, und auch dieses Projekt zeigt auf, dass wir als Angler wichtig für das soziale Miteinander im Land sind.

Seit langer Zeit ist der LSFV beliehener Träger des Landes für die Durchführung der Fischereischeinprüfung. Wir haben uns dabei streng an die Vorgaben aus dem Ministerium zu halten. Früher waren Präsenzkurse die einzige Möglichkeit, um sich gut auf die Prüfung vorzubereiten. Das konnten nur wir als großer Verband flächendeckend anbieten, immer in Zusammenarbeit mit den Vereinen und den Koordinatoren der Kreisverbände. Das haben wir über all die Jahre in sehr guter Qualität hinbekommen. Aber die Zeiten ändern sich rasant – heute ist die Online-Ausbildung ebenfalls eine Möglichkeit, die immer häufiger genutzt wird. Nach wie vor halten wir die Präsenzausbildung vor Ort für die beste Methode. So entsteht auch gleich ein Kontakt zu den Angelvereinen, und ein regionaler Bezug wird hergestellt. Damit diese Form der Ausbildung weiterhin attraktiv und zeitgemäß bleibt, müssen wir ständig über die Aktualisierung und Verbesserung unserer Kurse nachdenken. Es muss spannend sein und Spaß machen, wenn man unsere Lehrgänge besucht, auch für Kinder und Jugendliche. Daran müssen wir ständig arbeiten. Die Ausbildung vermittelt viel Wissen, aber wir werden in der kurzen Lehrgangszeit auch niemanden zum Fischereibiologen ausbilden. Das kann auch nicht das Ziel sein – die Prüfung muss von zwölfjährigen Kindern zu bestehen sein.

Nadine Sydow, unsere neue Vizepräsidentin für diesen Bereich, im Bild an der Schwentine beim Videodreh für Fishing-King, hat also eine schwierige und umfangreiche Aufgabe übernommen, und ich bitte alle „alten Hasen“ sie nach Kräften zu unterstützen. Wie schon gesagt, es gibt Vorgaben und Regeln des Landes. Es ist jedem Interessierten völlig freigestellt, wo und wie er sich ausbilden lässt – in Präsenz prüfen müssen wir als beliehener Träger alle, die es wünschen. In der Coronazeit hat es uns sehr geholfen, dass wir schon vor langer Zeit die Online-Ausbildung mit unserem Partner Fishing-King angeschoben haben. Das war seinerzeit umstritten, aber es hat sich bewährt. Fishing-King ist in unseren Augen ein sehr guter Anbieter mit dem wir gerne zusammenarbeiten, aber es gibt auch andere auf diesem immer größer werdenden Markt.

Ebenfalls umstritten war zuerst unser Online-Erlaubnisscheinverkauf über die Firma Hejfish, aber auch das hat sich, gerade in Zeiten der Pandemie, bestens bewährt. In diesem November wurde in Zusammenarbeit mit Hejfish weiter an dem komplexen Verkaufssystem getüftelt. So wird es auch 2022 jedem möglich sein, problemlos, schnell und zu jeder Zeit an seine Angelerlaubnisscheine zu kommen. Gerade für NOK, Elbe und den ELK wird dieser Service gerne in Anspruch genommen. Lange war es für diese Gewässer nicht möglich, die Scheine online anzubieten. Unser Vertragspartner dort ist die Bundesbehörde WSV, und es bestehen sehr hohe Anforderungen in Bezug auf Abrechnungs- und Datensicherheit. Hejfisch konnte überzeugende Konzepte vorlegen, und hat es so ermöglicht, dass auch für diese wichtigen Angelgewässern online Buchungen möglich sind.

Die Bemühungen um unsere Gewässer und Fischarten wie Aal, Meerforelle, Lachs, Schlammpeitzger, Elritze und viele andere Arten haben wir natürlich auch 2021 fortgesetzt. Wer über die Weihnachtstage Zeit und Lust hat, kann sich gerne durch unsere Internetseite scrollen und wird viele Berichte über diese Aktionen finden. Unsere Biologen Rüdiger Neukamm und Dr. Mattias Hempel, unser Fischreiberater Marius Behrens und unsere FÖJ Kraft Jonathan haben sich wieder mit riesigem Einsatz und großer fachlicher Kompetenz um unsere Gewässer gekümmert.

Rund um diese Projekte haben wir wieder große Mengen an Fördergeldern bekommen, die punktgenau und fristgerecht verwaltet und abgerechnet werden müssen. Im Frühjahr 2021 haben wir die komplette Technik in der Geschäftsstelle erneuert und umgestellt. Auch aus Sicherheitsgründen war das notwendig und schon lange überfällig. Unsere neue Internetseite wird nun am Ende des Jahres fertig sein. Rund um die unzähligen Vorgänge, die im Laufe eines Jahres bei uns zu bearbeiten sind und die kaum einer sieht, kümmert sich unser Geschäftsstellenteam. Susanne Schramm, Silke Fischer, Martin Höppner und Geschäftsführer Robert Vollborn haben diese umfangreichen Aufgaben im vergangenen Jahr wieder großartig gemeistert – auch dafür ein ganz großes Dankeschön! Das gilt natürlich auch für meine ehrenamtlichen Kollegen beim LSFV, die Vizepräsidenten und Referenten. Man bekommt nie alles fehlerfrei hin, und man wird in einem so großen Verband nie alle zufriedenstellen, aber ich glaube, wir haben unser LSFV-Dickschiff unaufgeregt und sicher durch diese schwierige Zeit gesteuert. Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch im Jahr 2022 gemeinsam hinbekommen!

Abschließend wünsche ich allen Mitgliedern, Förderern und Freunden unseres Verbandes ein frohes Weihnachtsfest und ein glückliches neues Jahr 2022.

Peter Heldt

admin | 16.12.2021

Nach 2020 ist nun auch 2021 anders verlaufen, als wir es erhofft haben. Zwar fanden wieder Aal-, Elritzen-, Salmoniden- und Schlammpeitzger-Schutzprojekte statt, der LSFV hat zu Gesetzesvorhaben Stellung genommen, Pressearbeit geleistet, Verbindungen zu benachbarten Landesverbänden und zum DAFV gepflegt oder sein Bruthaus renoviert. Aber Veranstaltungen, die bei vielen Vereinen von großer Bedeutung sind, mußten wie schon im Jahr zuvor sehr eingeschränkt werden. Die LSFV-Jahreshauptversammlung fiel dabei genau in eine Zeit, in der ein Zusammentreffen möglich war.

Nun stehen das Weihnachtsfest und der Jahreswechsel bevor. Wie schon vor zwölf Monaten hoffen wir, daß das kommende Jahr besser ausfällt, daß nicht mehr Diskussionen um Infektionsrisiken, Krankheitsverläufe und Schutzimpfungen unseren Alltag beherrschen. Anglerinnen und Angler sollen wieder Gemeinschaftsveranstaltungen, Jugendfreizeiten, Aus- und Fortbildungen und erfolgreichen Laichfischfang genießen.

Der LSFV wünscht allen Mitgliedern seiner Vereine sowie allen Freunden der Fischerei ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute für 2022.

Die LSFV-Geschäftsstelle ist in der Zeit vom 22. Dezember 2021 bis zum 3. Januar 2022 geschlossen. Erlaubnisscheine für LSFV-Gewässer sind aber, wie gewohnt, hier online erhältlich.

admin | 14.12.2021

Aus Brüssel wird heute (14.12.2021) gemeldet, dass sich die EU-Fischereiminister auf eine Fortführung des dreimonatigen Aalfangverbotes am Meer geeinigt haben, aber kein Aalfangverbot an Binnengewässern erlassen. weiterlesen